Diagnostische und interventionelle Radiologie

Spezielle Prostatadiagnostik und -therapie

Multiparametrische MRT der Prostata

Zu den häufigsten Fragestellungen bei Verdacht auf Prostatakrebs zählen das frühe Erkennen eines Tumors sowie die Diagnose seiner Eigenschaften und seines Ausbreitungsgrads.

Die genaueste Methode für das Auffinden des Prostatakrebses ist die multiparametrische Magnetresonanztomographie (mpMRT). Sie kann dem Urologen den aggressivsten Tumorherd darstellen oder auch das Vorliegen eines aggressiven Tumors ausschließen. Um die Prostatadiagnostik für Sie zu verbessern, arbeiten wir am Klinikum als Partner des Radiologienetz Deutschland Hand in Hand mit den Urologen zusammen.

Die mpMRT ist ein neues bildgebendes Verfahren in der Prostatadiagnostik.
Es handelt sich dabei um ein sehr genaues bildgebendes Verfahren zur Unterscheidung von aggressiven und nicht-aggressiven Tumorherden und deren Charakterisierung.

Dabei werden neben den herkömmlichen Untersuchungssequenzen spezielle Analysen durchgeführt, die die Tumorbiologie des Herdes betreffen. Die mpMRT ergänzt damit die Diagnostik des Urologen bei Verdacht auf Prostatakrebs.

Dies ist für Sie als Patient von großem Vorteil, um den aggressivsten Krebsherd gemeinsam mit Ihrem Urologen identifizieren und gegebenenfalls für eine gezielte Gewebeentnahme lokalisieren zu können. Wenig aggressive, nicht unmittelbar behandlungsbedürftige Tumore werden mit dieser Technik in der Regel nicht erkannt, was zur Vermeidung einer Übertherapie auch gewünscht ist.

Darüber hinaus ist die Untersuchung im MRT vollkommen strahlungsfrei.Unsere Qualitätssicherung zum Erhalt der Genauigkeit der Messmethode im Rahmen des Qualitätsprogramms RaDiagnostiX ist einzigartig.

Die Vorteile auf einen Blick

Die mpMRT ist eine sehr sichere Untersuchungsmethode, die mit über 90 Prozent aggressive Tumoren erkennt. Damit ist die mpMRT im Vergleich zu den Methoden in der Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung (Tastuntersuchung, PSA, Ultraschall etc.) deutlich überlegen. 

  • Dazu werden alle teilnehmenden Ärzte (Radiologen und Urologen) durch Experten des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg (DKFZ) umfassend geschult. 
  • lm Rahmen von RaDiagnostiX Prostata können die teilnehmenden Ärzte des Weiteren auf ein Expertenkonsil zurückgreifen. 
  • Einmal jährlich unterziehen sich die teilnehmenden Radiologen einer externen medizinischen Qualitätssicherung. 
  • Patientenorientierung: Das Planen und Entscheiden aller notwendigen Maßnahmen wird mit dem Patienten abgestimmt - seine Bedürfnisse stehen dabei im Vordergrund. 
  • Standardisierter Befund nach Pi-RADS: Ein gibt ein strukturiertes Befundungsschema, das den aggressivsten Tumorherd grafisch in der Prostata abbildet. Auf einer Skala von 1 bis 5 wird die Wahrscheinlichkeit für einen behandlungsbedürftigen Prostatakrebs dargestellt.  
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit (Ihrem) Urologen. Mit dem oben genannten Vorgehen erhält der behandelnde Urologe wichtige Zusatzinformationen vor der gegebenenfalls erforderlichen Gewebeentnahme, was den Patienten oftmals vor wiederholten Gewebeentnahmen bewahren kann. 
  • Kooperation mit Experten des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ): Regelmäßiger fachlicher Austausch mit ausgewiesenen Prostatakrebs-Experten des DKFZ sowie enge Zusammenarbeit von Forschung und Praxis garantieren eine Versorgung auf Grundlage der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse. 
  • Wird die aktive Überwachung (Active surveillance) als Therapie gewählt, kann die Gefahr einer Übertherapie klinisch nicht relevanter Tumoren (wenig aggressiver Tumoren) reduziert werden. Statt zu operieren, wird der Tumor aktiv beobachtet. Dazu ist die mpMRT aufgrund ihrer hohen Genauigkeit und Reproduzierbarkeit eine sehr geeignete Methode.  

Ablauf der schmerzfreien mpMRT

Die mpMRT-Untersuchung dauert circa 40 Minuten. Sie liegen während der Untersuchung bequem in Rückenlage. Für die Untersuchung der Prostata wird Ihnen während der Untersuchung ein gängiges MRT-Kontrastmittel verabreicht, das in der Regel sehr gut verträglich ist. Eine sogenannte Endorektalspule kann für die Untersuchung über den Mastdarm eingeführt werden. Diese Spule hat in etwa die Dimensionen der Ihnen aus der endorektalen Ultraschhall-Untersuchung beim Urologen bekannten Ultraschallsonde. Hiermit wird die Bildqualität und Aussagekraft der Untersuchung erheblich verbessert.

Nüchternheit zum Untersuchungstermin hat den Vorteil, dass die Darmbeweglichkeit und somit Bewegungsunschärfen reduziert werden. Dies führt zu einer weiteren Verbesserung der Untersuchungsqualität. Aus gleichen Gründen ist es für den Patienten erforderlich während der Untersuchung ruhig zu liegen. Unmittelbar vor der Untersuchung bitten wir Sie, die Blase zu entleeren und einen Reinigungseinlauf (Microklist®) durchzuführen. Andere Medikamente (außer, wenn nötig, Beruhigungsmittel gegen Platzangst, in diesem Fall ist eine Begleitperson zur Untersuchung sinnvoll) werden nicht verabreicht.

Ihre eigenen Medikamente nehmen Sie wie gewohnt ein.
Nach der Untersuchung haben Sie, sofern kein Beruhigungsmittel verabreicht werden musste, keine körperlichen Einschränkungen und können Ihren täglichen Aktivitäten normal nachgehen. Eine Besprechung der Befundergebnisse wird Ihnen im Nachgang an die Untersuchung angeboten.

Kosten

Leider übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten nach derzeitiger Rechtslage in der Regel nicht. Gesetzlich versicherten Patienten bieten wir die Untersuchung als Wunschleistung (als Privatrechnung) an. Die privaten Krankenversicherungen übernehmen die Kosten in aller Regel. Dennoch empfiehlt es sich, dies zuvor mit der jeweiligen privaten Krankenversicherung zu klären. Sprechen Sie uns bei Fragen gerne direkt an: Leitender Oberarzt Dr. Johannes Moersler, Telefon +49 (0)9421 710 6002, Johannes.Moersler@Klinikum-Straubing.de oder MRT –Anmeldung Telefon +49 (0)9421 710 6007.

Ein Formular zum Kostenerstattungsantrag finden Sie unter: www.radiagnostix.de/fileadmin/radiagnostix/PDF/Download/RaDiagnostiX_Erstattungsantrag.pdf

Weitere Informationen zum Qualitätssicherungsprogramm RaDiagnostiX


Arterielle Embolisationstherapie (PAE) der gutartigen Prostatavergrößerung

Die gutartige Vergrößerung der Prostata, medizinisch benigne Prostatahyperplasie (BPH) genannt, ist eine häufige Erkrankung des älteren Mannes und betrifft jeden zweiten Mann über 50 Jahre. Dabei drückt die vergrößerte Drüse auf die Harnblase und engt die Harnröhre ein. Demzufolge entstehen typische Beschwerden beim Wasserlassen wie häufiger Harndrang, Harnstottern, unvollständige Entleerung der Harnblase und ein schwacher Harnstrahl.

Diese teils bei Nacht auftretenden Beschwerden beeinträchtigen den Alltag der Patienten. Medikamentöse Therapien führen teilweise nicht zum Erfolg. Dann ist die operative Prostataverkleinerung durch Gewebeentfernung über die Harnröhre (Transurethrale Prostataresektion/TURP) heutzutage die Standardbehandlung bei einem Prostatavolumen kleiner gleich 80 Milliliter. Sollte die Prostata jedoch größer als 80 Milliliter sein, ist in der Regel eine offene operative Entfernung der TURP vorzuziehen. Diese geht allerdings trotz primär guter Ergebnisse mit einem Risiko von bis zu 10 Prozent einer Blutung im zeitlichen Umfeld oder während der Operation einher. Das Blutungsrisiko für TURP ist geringer.

Andere gefürchtete Komplikationen oder Folgen nach chirurgischem Vorgehen sind die Inkontinenz, Verengung der Harnröhre (Urethra Strikturen), Samenerguss in die Harnblase (retrograde Ejakulation) und Erektionsstörungen. Minimalinvasive Verfahren wie Laserkoagulation, Laserresektion/-enukleation und Laservaporisation der Prostata sowie die transurethrale Mikrowellenthermotherapie reduzieren die Rate der interoperativen Nebenwirkungen. Sie gehen jedoch auch mit typischen Komplikationen eines operativen Vorgehens wie Verengung der Harnröhre, Inkontinenz und Potenzstörungen einher.

Eine Alternativezu dem chirurgischen Vorgehen ist nach erfolgloser medikamentöser Therapie die Embolisation der Prostataarterien zur Volumenreduktion der Prostata.
Interventionelle Radiologie

Auswahl geeigneter Patienten

Die Auswahl der Patienten erfolgt in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit der Urologie und interventionellen Radiologen. Erforderlich ist die Erkennung anderer Ursachen für Blasenentleerungsstörungen wie zum Beispiel die Prostatitis oder das Prostatakarzinom, Erkrankungen der Harnröhre selbst und Erkrankungen der Harnblase.

Die Beschwerden des Patienten bei der Blasenentleerung werden mit Hilfe des internationalen Prostata-Symptom-Score (IPSS) erfasst. Der Summen-Score erlaubt eine Einteilung der Symptome in mild (0-7 Punkte), stark (8-19 Punkte) und sehr stark (20-35 Punkte). Daher wird auch die Einschränkung der Lebensqualität mit bewertet.

Die Sexualstörung sollte mit Hilfe des International Index of Erectile Function (IIEF) erfasst werden, da solche Störungen mit einer gutartigen Prostatavergrößerung einhergehen.

Die Größe der Prostata kann sowohl durch eine digitale rektale Untersuchung sowie durch einen transrektalen Ultraschall (TRUS) erfasst werden. Vorzuziehen und genauer ist die MRT. Hierbei ist besonders wichtig, ein signifikantes Prostatakarzinoms auszuschließen. 

Die MRT-Untersuchung vor der Embolisation soll klinisch nicht erfasste Karzinome entdecken. Außerdem kann das Prostatavolumen exakt erfasst werden.

Zusätzlich sollte die Bestimmung des maximalen Harnflusses und der Restharnmenge erfolgen (Ein maximaler Harnfluss < 12 ml/s – Normwert beträgt circa 25 ml/s – weist als Ursache der Blasenentleerungsstörung auf eine gutartige Prostatavergrößerung hin. Restharnmengen von mehr als 200 ml weisen auf eine Blasendysfunktion als Ursache der Blasenentleerungsstörung hin).

Patienten kommen für die Embolisation in Frage, wenn folgende Kriterien vorliegen:

  • Stark beeinträchtigende Beschwerden
  • Prostatavolumen > 40cm³ (mindestens >30 cm³)
  • Alter > 50 Jahre (mindestens >40 Jahre)
  • Dauerkatheter wegen Unfähigkeit, die Blase zu entleeren
  • Hohes Narkose-/OP-Risiko oder Indikationen gegen TURP
  • Gemeinsame Identifizierung der Patienten durch die Urologie, Anästhesie und Radiologie
  • Ausschluss Prostatakarzinom
  • Therapieversagen auf selektive Alphablocker länger als 6 Monate

Ablauf der Embolisation bei gutartiger Prostatavergrößerung

Die Patienten werden grundsätzlich über die Urologische Klinik stationär aufgenommen - in der Regel am oder einen Tag vor der geplanten Embolisation.

Die Terminabsprache erfolgt mit der urologischen Klinik.

Die Prostata-Medikation muss 2 Wochen vor der Embolisation abgesetzt werden; die Arzneimittel-Pause dauert nach dem Eingriff nochmal zwei Wochen.

Häufig gestellte Fragen

Handelt es sich bei der Embolisation der Prostata um ein etabliertes Verfahren?

Die Gesellschaft für interventionelle Radiologie beschreibt die Embolisation der Prostata als neues Therapieverfahren, welches sicher und effizient die Beschwerden beim Wasserlassen beseitigen kann. Da dieses Verfahren für die Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung noch neu ist, liegen bisher noch keine Langzeitergebnisse vor.

Die verwendeten Mikrokügelchen sind ein CE gekennzeichnetes Produkt für die Embolisation von gut durchbluteten Tumoren und entsprechen somit den geltenden Anforderungen der EU-Verordnung für Medizinprodukte. Zu den durchbluteten (gutartigen) Tumoren zählt auch die gutartige Vergrößerung der Prostata. Die Embolisation von Gefäßen ist ein etabliertes Therapieverfahren, welches besonders zur Behandlung von gutartigen Gebärmuttervergrößerungen (Myome) sowie zur Behandlung von Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom) eingesetzt wird.

Für wen ist dieses Verfahren geeignet?

Dieses Verfahren ist für Patienten mit Beschwerden beim Wasserlassen aufgrund einer vergrößerten Prostata geeignet. Wichtig ist, dass eine medikamentöse Therapie der Beschwerden seit mindestens 6 Monaten nicht den erwünschten Effekt erzielte.

Nicht geeignet ist dieses Verfahren für Patienten mit einem Prostatakarzinom, großen Blasendivertikeln (Ausstülpungen der Blase), gestauten Nieren, chronischer Niereninsuffizienz, akuten Prostata- oder Harnwegsinfekten und unzureichend eingestellten Gerinnungsparametern.

Wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt?

In der Regel werden am Tag der Embolisation die Patienten in der Urologie stationär aufgenommen. An diesem Tag erfolgen die für den Eingriff notwendigen vorbereitenden Untersuchungen. Am Tag nach der Embolisation werden noch abschließende Untersuchungen durchgeführt. Insgesamt beträgt der Aufenthalt im Krankenhaus circa 2 bis 3 Tage.

Welche Untersuchungen müssen vor dem Eingriff durchgeführt werden?

Vor einer Embolisation muss ein Prostatakarzinom ausgeschlossen werden (Ultraschall/MRT). Hierfür wird der Serum PSA Wert (Prostata spezifisches Antigen) bestimmt. Um den Ausprägungsgrad der Erkrankung abschätzen zu können, benötigen wir das mit Hilfe des Ultraschalls bestimmte Restharnvolumen, den maximalen Harnfluss und die Prostatagröße. Alle diese Untersuchungen können bei Ihrem Urologen durchgeführt werden. Zusätzlich werden Ihnen weitere Fragebögen vorgelegt. Des Weiteren wird eine Gefäßdarstellung mit CT-Angiographie in der Regel durchgeführt.

Hat die Therapie Nebenwirkungen?

Nebenwirkungen werden selten beobachtet. Gelegentlich kann es nach der Embolisation zu Missempfindungen beim Wasserlassen und häufigem Harndrang kommen. Diese Symptome werden in der Regel nach circa 1 bis 2 Wochen wieder nachlassen. Da die Prostata nach der Embolisation kurzfristig nochmal anschwellen kann, wird der Blasenkatheter erst kurz vor der Entlassung aus dem Krankenhaus entfernt.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass Sie die schmerz- und entzündungslindernden Medikamente und auch das Antibiotikum wie verordnet einnehmen. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Infektionen der Harnwege, Blut im Urin und im Sperma.

Gibt es Langzeitergebnisse?

Für diese noch recht junge Methode konnte für eine Nachbeobachtungszeit von 6 bis 24 Monaten gezeigt werden, dass der klinische Therapieerfolg nach einer Embolisation der Prostata mit dem klinischen Erfolg nach dem Standardoperationsverfahren (TURP) vergleichbar ist.

In der bisher größten, veröffentlichten Studie mit 255 Patienten war keiner der embolisierten Patienten nach der Therapie impotent oder zeigte einen Samenerguss in die Harnblase. In 97,9 % der Fälle konnte die Embolisation technisch erfolgreich durchgeführt werden.

War Ihre Frage nicht dabei? Dann rufen Sie uns bitte an. Tel.: +49 (0)9421 710 1741.

Interessante Videoclips in der SWR Mediathek

Portrait von Dr. Johannes Moersler, Oberarzt Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie

Unser Spezialist für Prostatadiagnostik

Dr. Johannes Moersler
Leitender Oberarzt
Facharzt für Radiologie


Eine telefonische Terminvereinbarung zu unseren Sprechstunden ist erforderlich. 

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