Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie

Kindliche Hüfterkrankung

Überschrift : "Absterben des Hüftgelenk-Kopfes" ?

Entwicklungsstörungen des Hüftgelenks (Morbus Perthes, Legg-Calvé-Perthes Disease, LCP)  

Bei dieser Krankheit handelt es sich um ein angeborenes kindliches, nicht entzündliches Absterben des Hüftgelenk-Kopfes (Idiopathische juvenile aseptische Knochennekrose des Femurkopfes). 

Als Ursache liegt eine Durchblutungsstörung des Hüftgelenks vor, häufig begleitet von einer weiteren Skelettreifungsstörung (oft kleinwüchsige Patienten). Selten tritt diese Krankheit als Unfallfolge oder nach einer Entzündung auf. Der Altersgipfel dieser Erkrankung liegt zwischen dem 5. und dem 8. Lebensjahr. Es sind viermal mehr Jungen als Mädchen betroffen. In 20 Prozent der Fälle tritt die Hüfterkrankung beidseitig auf. 

Symptome

Betroffene Kinder fallen durch schmerzloses Hinken auf und klagen über Schmerzen im Knie und in der Leiste.

Diagnostik 

Innenwärtsdrehung (Innenrotation) und seitliches Wegdrehen (Abduktion) der Hüfte sind eingeschränkt (sogenannte Viererzeichen positiv). Bei betroffenen Kindern ist ein Schon- und Versteifungshinken zu beobachten.

Zur Diagnose erfolgt ein Röntgen in 2 Ebenen. Diese Untersuchung ermöglicht es, das Stadium der Erkrankung einzuteilen (Klassifikation nach Catteral) und eine Aussage über die Ausdehnung der abgestorbenen Zellen (Nekrose) zu machen. 

Behandlungsmöglichkeiten

Therapieziele sind die Verhinderung einer Entrundung des Hüftgelenkkopfes, der Erhalt eines regelrechten Hüftgelenks und die gute Überdachung des Hüftkopfes durch die Pfanne.

Nicht operative (konservative) Behandlungsmethodenwerden bei guter Hüftgelenksbeweglichkeit und fehlenden radiologischen Risikozeichen empfohlen und sind altersabhängig.

  • Alter unter 5 Jahre: Verlaufsbeobachtung, Sprungbelastungen vermeiden, Physiotherapie.
  • Alter über 5 Jahre: unter Umständen Entlastung in einer Orthese über Monate (zum Beispiel Mainzer-Orthese nach Volkert).

Operative Therapie

  • Umstellung des Schenkelhalses (Intertrochantäre Varisierungsosteotomie)
  • Becken-Osteotomie nach Salter oder Triple-Osteotomie des Beckens. Bei der Osteotomie durchtrennt der Chirurg gezielt Knochen, um Fehlstellungen zu korrigieren.

Abrutschen des Hüftkopfes (Epiphyseolysis capitis femoris, E.c.f.)

Bei dieser Erkrankung lockert sich die Wachstumsfuge des Hüftkopfes mit Abgleiten des Hüftkopfes vom Schenkelhals - und zwar ohne Unfall. Die Ursachen sind vielfältig: sie kommen von Innen (endogen, beispielsweise hormonell, toxisch) und/oder sind mechanisch (hohes Körpergewicht).

Der Erkrankungsgipfel ist in der frühen Pubertät zu beobachten: bei Jungen um 12, bei Mädchen um 10 Lebensjahre. Es sind vor allem dreimal häufiger Jungen betroffen. Zu circa 80 Prozent rutscht der Hüftkopf auf beiden Seiten ab. Es gibt langsame und schnelle Verläufe des Abgleitens. 

Symptome

Kinder ermüden vorzeitig beim Gehen oder Stehen. Sie klagen über Schmerzen in der Leiste, im Oberschenkel oder im Kniegelenk. Außenstehenden fällt ein hinkendes Gangbild auf.

Bei einem akuten Verlauf können die Patienten plötzlich nicht mehr laufen und brechen zusammen.

Diagnostik

In der Untersuchung fällt eine Außenrotationsstellung (nach auswärts gedrehte Stellung) und eine Einschränkung der Innenrotation (Innenwärtsdrehung) mit einer Beinverkürzung auf. Das Drehmann-Zeichen ist positiv: in Rückenlage wird das Bein passiv gebeugt. Dabei kommt es zu einer zunehmenden Auswärtsdrehung in der Hüfte.

Im Röntgen des Beckens mit beiden Hüftgelenken kann man ein Abgleiten der Kopfkalotte erkennen. Auch Sonographie und Magnetresonanztomographie (MRT) können hilfreich oder nötig sein. 

Behandlungsmöglichkeiten

In jedem Fall ist eine operative Stabilisierung mit Drähten oder Schrauben nötig, unter Umständen mit begleitender Korrekturosteotomie - also mit gezielter Durchtrennung der beteiligten Knochen, um die Fehlstellung zu korrigieren.

Bei einem Abrutschen des Hüftkopfes ist sofortige Bettruhe und eventuell Streckung (Extension) des betroffenen Beines für 24 Stunden erforderlich. Schonendes Zurückbringen in die Normalstellung (Reposition) in Narkose und Fixierung mit Drähten sind Standard der Behandlung. Die vorsorgliche (prophylaktische) Fixierung der Gegenseite ist sinnvoll und wird allgemein empfohlen.