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Zeitschenker und Zuhörer
Sie haben mehr als nur eine Eigenschaft gemeinsam: Sie sind gern unter Leuten. Sie finden gut Kontakt. Und sie möchten neben ihrem Beruf oder auch im Ruhestand etwas Sinnvolles tun – im Ehrenamt. Fündig geworden sind 20 Frauen und zwei Männer beim Besuchsdienst im Klinikum St. Elisabeth. Die Rede ist von den Gelben Damen und Herren. Eine Institution im Klinikbetrieb, im vergangenen Jahr konnte 40-Jähriges gefeiert werden.
Franz Hottner, Lehrer im Ruhestand, hat sich vor mittlerweile zwölf Jahren gefragt, was er mit der „neu gewonnenen Freiheit“ anfangen könne. Da kam ihm der Blick auf eine Infotafel im damaligen Foyer des Klinikums gerade recht. Es war eine Beschreibung des Krankenhaus-Besuchsdienstes. Hottner hat Kontakt aufgenommen, ist einmal bei Besuchen in Patientenzimmer mitgegangen. Und dann selber eingestiegen, als damals erster Gelber Herr. Verständliche Langeweile, Sorgen, Ängste und auch Einsamkeit sind die dominanten Gefühlslagen, die Franz Hottner bei seinen Besuchen wahrnimmt. „Reden hilft“, ist seine Erfahrung, das tue der Seele und überhaupt der Gesundheit gut.Und wenn er nach einer Besuchsrunde auf der Station 14 (Urologie), der er zugeteilt ist, heimgeht, sei ihm angesichts der Schicksale, Krankengeschichten und mancher Kapriolen im Leben von Patienten immer ganz besonders bewusst, „wie gut es mir, wie gut es uns geht“. Zu schätzen weiß Hottner wie seine Kolleginnen die gemeinsame Whatsapp-Gruppe und die Gelegenheiten für Austausch und Fortbildung, wo man sich auch mal Belastendes von der Seele reden kann.
Wen treffe ich wohl hinter dieser Tür?
Spannend ist es tatsächlich, wer wohl hinter der Tür des Patientenzimmers ist, an die man gerade klopft, gibt Ursula Deser zu. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass Patienten rasch Vertrauen aufbauen und erzählen, was sie Angehörigen oft nicht sagen. „Weil sie sie nicht belasten wollen.“ Zuhören hält sie für die Hauptaufgabe – und ihre Kollegen stimmen ihr uneingeschränkt zu. „Wir signalisieren Interesse.“ Wenn ein Patient beim Abschied sage, dass ihm gut getan hat, dass jemand zugehört hat, dann freut sie diese Dankbarkeit. Im September werden es 38 Jahre, dass Ursula Deser dieses Ehrenamt ausübt. Anfangs neben ihrer Berufstätigkeit in der Bundeswehr-Verwaltung. Und noch im damaligen Männerkrankenhaus an der Schulgasse, erinnert sie sich lachend. „Ich bin mit in den Neubau umgezogen.“
Dazu gekommen ist sie über die Lektüre eines Artikels im Straubinger Tagblatt. Zweimal sei sie mit einer Gelben Dame mitgegangen, dann ging es allein „ins kalte Wasser“. Damals habe man den gleichen Patienten durchaus mehrmals besucht, „die Liegezeiten waren viel länger als heute“.
Sie besucht heute Patientinnen auf Station 22, der Gynäkologie. Dort gebe es auch viele Patientinnen von auswärts. „Das Klinikum hat einen guten Ruf – weithin“, weiß sie von diesen Kontakten. „Die positive Resonanz freut mich für das Haus und für das Pflegepersonal.“
Ursula Urban, zwischenzeitlich als Nachfolgerin der langjährig tätigen Brigitte Messerschmitt Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer des Klinikums und Sprecherin des Besuchsdienstes, ist seit sechs Jahren Gelbe Dame. Seit die Rektorin in den Ruhestand gegangen ist. Sie besucht Patienten auf der HNO-Station. Hier gebe es viele Schwerkranke, Tumorpatienten. Das sei manchmal herausfordernd, sagt sie. Wenn jemand nicht sprechen könne, bietet sie an, etwas vorzulesen. Oder man kommuniziere per Stift und Papier. Man dränge sich nicht auf, sagt sie.
Erkennungszeichen: Gelbe Blume am Revers
Ihr erstes Wort beim Betreten des Zimmers sei immer, sich vorzustellen. Dass sie Gelbe Dame sei und ob der Patient den Besuchsdienst kennt. Erkennungszeichen: weißer Kittel, Namensschild und gelbe Blume am Revers. Dann ist das Eis schon gebrochen. Abfuhren ernte man selten, bestätigt Ursula Deser. Nur ein Prozent habe kein Interesse, schätzt sie.
Sie erinnert sich, dass sie einmal auf eine Patientin getroffen sei, die offenbar erst kurz vorher gerade aus der Narkose aufgewacht war. Auf mein Klopfen hin hat sie gesagt: „Ich kaufe heute nix.“
Auch kleine Dienste und Besorgungen
„Im Wesentlichen sind wir Zeitschenker und Zuhörer“, sagt Ursula Urban.
Es gebe kein Zeitlimit. Ein Besuch könne ein paar Minuten dauern, aber auch mal eine Stunde. Wie es sich ergibt. Man stelle auch Verbindungen her, etwa zum Sozialdienst, wenn man merke, dass der Patient nicht aus und ein wisse, wie es weitergeht mit ihm. Auch kleine Dienste übernimmt der Besuchsdienst, allerdings keine pflegerischen. Es komme häufig vor, dass man Telefonkarten auflade, Zeitungen am Kiosk besorge, die verlegte Brille suchen helfe, sagt sie. Aber auch, Batterien für Hörgeräte zu besorgen oder etwas Vergessenes aus der Wohnung zu holen. Manchmal auch Geldabhebungen. Da seien immer zwei Gelbe Damen oder Herren zu Gange, denn das sei durchaus heikel.
Zum Pflegepersonal hat der Besuchsdienst einen guten Draht. „Sie sind froh, dass es uns gibt. Besonders nach der Coronapandemie haben uns das viele signalisiert“, sagt Ursula Deser.
Mehr und mehr gefragt ist der Vorrat der Gelben Damen und Herren an Wäsche, Unterwäsche wie Schlafanzügen, im Schrank in ihrem Raum im Klinikum. „Für Notfälle, die nichts von zu Hause mitnehmen konnten, oder auch bedürftige Patienten, von denen es immer mehr gibt“, sagt Ursula Urban.
Deshalb sei man für jede Spende dankbar, ebenso wie das Klinikum überhaupt, sagt sie aus der Warte des Vereins der Freunde und Förderer des Klinikums – im Bewusstsein der gebeutelten Kliniketats speziell gemeinnütziger Träger in Zeiten herausfordernder bundespolitischer Krankenhaus-Reformen.
Quelle: Monika Schneider-Stranninger, Tagblatt vom 28.08.2026
Wie wird man Gelbe Dame oder Gelber Herr?
Wer Interesse hat am ehrenamtlichen Besuchsdienst im Klinikum als Gelbe Dame oder Herr, kann sich an den Verein der Freunde und Förderer des Klinikums wenden, in den der Besuchsdienst organisatorisch eingegliedert ist. Vorsitzende ist Ursula Urban, E-Mail: ursel.urban@gmx.de.
Der Besuchsdienst unterliegt der Schweigepflicht. Bewerber müssen ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen sowie einen klinikinternen Verhaltenskodex unterschreiben. Sie erhalten jeweils Kittel, Ausweis für das Klinikum, Parkausweis und den Schlüssel zum Zimmer des Besuchsdienstes. Der Dienst ist komplett ehrenamtlich, es gibt keinerlei Vergütung. Gegründet wurde er 1985 von Dietlinde Hilpert, Ehefrau eines damaligen Chefarztes.
Wer die Arbeit der Gelben Damen und Herren anerkennen will oder die Anliegen des Vereins der Freunde und Förderer (der Dinge zu finanzieren hilft, die notwendig, jedoch nicht mehr im Budget enthalten sind), kann auch an den Verein spenden: IBAN DE 95 7425 0000 0000 0075 75, BIC BYLADEM1SRG, Sparkasse Niederbayern-Mitte oder für 25 Euro jährlich Mitglied werden. -mon-

