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Weniger Straubinger Kindl
Die Referenten der Perinatalkonferenz im Klinikum St. Elisabeth (v.l.): Prof. Dr. Sven Wellmann (Chefarzt Neonatologie von der Klinik St. Hedwig Regensburg), Dr. Carsten Scholz (Chefarzt Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe Straubing), Irina Stell (Oberärztin Klinikum St. Elisabeth), Dr. Florian Langhammer (Oberarzt Neonatologie Klinik St. Hedwig Regensburg), Zuzana Schubert (Assistenzärztin Klinikum St. Elisabeth) und Dr. Christian Batzlsperger (Oberarzt neonatologische Intensivstation am Donau-Isar-Klinikum Deggendorf).
Im Mittelpunkt der Perinatalkonferenz am Klinikum St. Elisabeth stand die Geburtenstatistik für 2024. Mit 634 Babys –318 Buben und 316 Mädchen – erblickten am Klinikum etwa fünf Prozent weniger Kinder als im Jahr davor (671) das Licht der Welt. Seit 2020 sank die Geburtenrate in Straubing um 30 Prozent und folgte damit dem deutschlandweiten Trend, sagte Dr. Carsten Scholz, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, mit Hinweis auf die Bevölkerungspyramide. Die Gesellschaft altere zunehmend. Die Zahl der älteren Menschen nehme schneller zu als die der jüngeren. „Wir bräuchten deutlich mehr Kinder, um die Bevölkerungszahl stabil zu halten“, kommentierte Scholz die Entwicklung.
In Niederbayern bekämen Frauen im Durchschnitt 1,40 Kinder (2023). Im Landkreis Straubing-Bogen sei die Anzahl der Kinder pro Frau deutlich zurückgegangen, von fast 1.100 im Jahr 2021 auf 850 im Jahr 2024, in Straubing dagegen blieb die Geburtenrate in den letzten Jahren stabil um 450 Kinder. Die Abnahme der Geburten spiegele sich auch im Verschwinden von Geburtskliniken wider. Zwischen 1991 und 2020 hätten 34 Prozent der Geburtskliniken in Deutschland geschlossen, sagte Scholz. Es sei eine zunehmende Zentralisierung zu beobachten. Die Bedeutung der Perinatalzentren wachse, während die kleineren Kliniken nur Entbindungen ohne Risiken übernehmen können.
Weiter steigende Kaiserschnittrate
Das Alter der Mütter liege zum Zeitpunkt der Entbindung schwerpunktmäßig zwischen 26 und 35 Jahren. Die meisten Kinder in Deutschland werden von Montag bis Freitag geboren, es sind wochentags 28 Prozent mehr als an den Wochenenden. Dies liegt auch an den geplanten Kaiserschnitten, die meist in der Regelarbeitszeit werktags erfolgen. Deutschlandweit wurden 2023 die meisten Kinder am 10. Juli geboren (2.310 Kinder) und die wenigsten am 25. Dezember (1.357 Kinder). Die Kaiserschnittrate stieg in Straubing auch 2024 weiter an und betrug genau 38 Prozent (2023 waren es 36 Prozent). Auch dies ist wesentlich in der zunehmenden Zahl an Wunschkaiserschnitten begründet.
Großes Thema: Schmerzlinderung während der Geburt
Schmerzlinderung während der Geburt spielt eine zentrale Rolle rund um das Thema Entbindung. Neben nichtmedikamentösen Optionen wie dem Entspannungsbad oder klassischen Analgetika, die als Tablette oder Infusion verabreicht werden, bietet die Periduralanästhesie seit Jahren entscheidende Vorteile mit Blick auf eine schmerzarme Geburt. Dabei wird die Empfindung regional im Becken vorübergehend ausgeschaltet, während die Motorik erhalten bleibt. 39 Prozent der Mütter und damit 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr, entschieden sich für diesen Weg, so Scholz.
65 Prozent der Mütter waren deutsch, 32 Prozent waren nicht deutsch, drei Prozent machten keine Angaben. Die nicht deutschen Mütter kamen vor allem aus Rumänien, dem Kosovo und Syrien.
Gute interdisziplinäre Zusammenarbeit mit benachbarten Kliniken
Im Weiteren besprachen die Experten des Klinikums St. Elisabeth, der Klinik St. Hedwig Regensburg und des Donau-Isar-Klinikums Deggendorf mehrere Fälle aus geburtshilflicher und neonatologischer Sicht, die eine interdisziplinäre Behandlung erforderten und die täglich gelebte, sehr gute Abstimmung zwischen den Fachgebieten dokumentierten. Neben aktuellen Aspekten der CTG-Beurteilung zur Überwachung der kindlichen Herzfrequenz und der Wehentätigkeit der Mutter wurde auch die RSV-Impfung der Neugeborenen zum Schutz vor Atemwegserkrankungen thematisiert. Heuer ab Oktober soll diese RSV-Impfung im Rahmen der Neugeborenenversorgung im Klinikum St. Elisabeth angeboten werden. -urs-

