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Verabschiedung in den Ruhestand: Prof. Dr. Marianne Haag-Weber und Dr. Christoph Weber
Im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im Foyer des Klinikums wurden Frau Prof. Dr. Haag-Weber und ihr Ehemann Dr. Weber in den Ruhestand verabschiedet. Zahlreiche Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, Kolleginnen und Kollegen sowie Vertreter aus Stadt und Gesundheitswesen kamen zusammen, um zwei Persönlichkeiten zu würdigen, die das Klinikum über Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt haben.
Gemeinsam blicken Prof. Haag-Weber und Dr. Weber auf beeindruckende 51 Jahre Tätigkeit am Klinikum zurück – 29 Jahre Prof. Haag-Weber, 22 Jahre Dr. Weber. In dieser Zeit standen sie für eine Medizin, die sich konsequent am Menschen orientiert und die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt stellt.
Geschäftsführer Daniel Albus stellte in seiner Ansprache heraus, dass beide nicht nur Teil des Klinikums waren, sondern dessen Identität aktiv mitgeprägt haben. Werte wie hoher Einsatz, Loyalität, ein ausgeprägter Qualitätsanspruch, Resilienz und vor allem Menschlichkeit seien zentrale Elemente, die das Klinikum auszeichnen – und die von Prof. Haag-Weber und Dr. Weber in besonderem Maße verkörpert wurden.
„Wir können heute nach vorne blicken, weil andere vor uns Großes geleistet haben – in diesem Fall Sie beide“, so Albus.
Ein besonderer Fokus lag auf dem Lebenswerk von Prof. Haag-Weber: Sie kam 1997 bewusst nach Straubing, um eine bestehende Versorgungslücke in der Nephrologie zu schließen. Mit großem Engagement, Beharrlichkeit und fachlicher Exzellenz baute sie die Sektion Nephrologie auf und entwickelte sie zu einem überregional anerkannten Schwerpunkt. Als international geschätzte Expertin, insbesondere im Bereich der Bauchfelldialyse, setzte sie Maßstäbe in der Patientenversorgung. Ihre Arbeit war stets geprägt von Idealismus, Empathie und einem kompromisslosen Qualitätsanspruch. Die von ihr initiierten Strukturen – von individuellen Patienteninformationen über sektorübergreifende Versorgungskonzepte bis hin zur engen Kooperation mit dem KfH – wirken bis heute fort. Ein Meilenstein war zuletzt die Zertifizierung zur nephrologischen Schwerpunktklinik, der ersten in Niederbayern. Für ihr außergewöhnliches Engagement wurde sie 2022 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Thorsten Ahrend, Vorstandsmitglied des KfH, würdigte die langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit, die bis ins Jahr 1989 zurückreicht. Unter der Leitung von Prof. Haag-Weber habe sich das Nierenzentrum dynamisch entwickelt – mit hoher medizinischer Qualität und zugleich wirtschaftlicher Stabilität. Er dankte im Namen des Vorstandes für die verlässliche Partnerschaft und das gemeinsame Wirken im Sinne der Patientinnen und Patienten.
Prof. Dr. Thomas Betz, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie, blickte sehr persönlich auf die Zusammenarbeit zurück. Als ehemaliger „Weber-Schüler“ betonte er die prägende Rolle Dr. Webers für seine eigene berufliche Entwicklung. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm die Haltung, stets den Menschen hinter der Erkrankung zu sehen und den ärztlichen Anspruch über rein medizinische Aspekte hinaus zu denken. Dr. Weber habe ihn über viele Jahre hinweg mit Rat und Unterstützung begleitet – offen, ehrlich und konstruktiv. Auch seine Begeisterung für die Chirurgie habe er stets an die nächste Generation weitergegeben.
Oberbürgermeister Markus Pannermayr hob die besondere Gemeinschaft am Klinikum hervor, die sich gerade bei solchen Anlässen eindrucksvoll zeige. Diese Gemeinschaft sei die Grundlage für den Erfolg des Hauses. Das Ehepaar Haag-Weber/Weber vereine – ganz im Sinne des Klinikums – höchste fachliche Kompetenz mit großer menschlicher Qualität. Diese Balance sei etwas Besonderes und habe ihr Wirken über all die Jahre ausgezeichnet. Er sprach beiden seinen großen Respekt aus und dankte für das, was sie für die Menschen, die Region und das Klinikum geleistet haben.
Im Anschluss an die Ansprachen wurden Geschenke überreicht. Die Veranstaltung bot Raum für persönliche Begegnungen, Erinnerungen und Gespräche, der Nachmittag klang in einem gemeinsamen Beisammensein mit Buffet aus.
Ein Leben für die Gefäßmedizin - Abschied von Dr. Christoph Weber
Nach vielen Jahren ärztliche Tätigkeit mit viel Engagement für die Patientenversorgung und die Entwicklung der Gefäßchirurgie im Klinikum Straubinger verabschiedet sich Dr. Christoph Weber in den Ruhestand.
Über 22 Jahre hinweg – davon neun Jahre als Sektionsleiter – hat er die Gefäßchirurgie in Straubing aufgebaut und mit konstant hohem Qualitätsanspruch kontinuierlich weiterentwickelt. Damit schuf er die Grundlage dafür, dass die Gefäßchirurgie unter Chefarzt Prof. Betz vor zwei Jahren als eigenständige Klinik etabliert werden konnte. Im Gespräch mit Jogo blickt er auf seine Zeit in Straubing zurück und spricht über das, was ihm dabei stets besonders wichtig war.
Herr Dr. Weber Sie waren seit 2004 bei uns im Klinikum tätig, viele Jahre als Leiter der Sektion, zuletzt als leitender Oberarzt der Klinik für Gefäßchirurgie. Wollten Sie schon immer Gefäßchirurg werden bzw. wie kam ihr Weg in dieses Fachgebiet?
Dr. Christoph Weber: Ursprünglich wollte ich in die Viszeralchirurgie. Meine Ausbildung begann ich in der Pathologie, um mir fundierte Grundlagen in Anatomie, Gewebeveränderungen und ein Gefühl für die verschiedenen Organe zu erarbeiten. Dabei erkannte ich auch, dass man in der Pathologie die chirurgischen Zugangswege gut nachvollziehen kann. Im Anschluss wechselte ich in die Viszeralchirurgie nach Hannover und war dort auch in der Unfallchirurgie tätig. Viel Zeit verbrachte ich assistierend im OP, konnte dabei aber von Operateuren und erfahrenen Assistenten viel lernen. Meine pathologische Vorbildung half mir dabei besonders. In den 1980er Jahren war die Stellensuche aufgrund der Ärzteschwemme schwierig. Nachdem meine Frau eine Position in Freiburg angetreten hatte, wechselte ich dorthin und begann in der Herz- und Gefäßchirurgie – ein Fachgebiet, das mir zunächst fremd war, in dem ich jedoch meine besondere Stärke für die Gefäßchirurgie entdeckte. Zwei Oberärzte vermittelten mir dort mit großer Geduld eine solide Operationstechnik. Da an der Uniklinik vor allem große Eingriffe das Spektrum dominierten, wechselte ich nach Marktredwitz, wo ich meine chirurgische Facharztausbildung abschließen und zunehmend selbstständig operieren konnte. Diese Erfahrung ebnete mir den Weg an die Uniklinik Lübeck, wo ich in der Gefäßchirurgie weiter tätig war und mein Teilgebiet abschloss. Währenddessen übernahm meine Frau in Straubing die Nephrologie und Dialyse. Ich ging zunächst als Oberarzt nach Landshut-Achdorf und leitete dort die Gefäßchirurgie. 2004 ergab sich schließlich die Möglichkeit, nach Straubing zu wechseln.
Was war Ihnen im Umgang mit den Patienten immer besonders wichtig?
Dr. Christoph Weber: Die Gefäßchirurgie hat eine Ähnlichkeit mit der Nephrologie: Wir haben in der Chirurgie Beziehung zur Inneren Medizin: komplexe Patienten mit nicht nur einer Erkrankung, sondern noch viele Nebenerkrankungen. Mir ist es wichtig, dass man den Patienten als Ganzes sieht also auch mit den zusätzlichen Erkrankungen, da diese in der Gefäßchirurgie für die Indikationsentscheidung wichtig sind. Auch sollten diese mitbehandelt werden bzw. man sollte dem Patienten unbedingt helfen, dass die übrigen Erkrankungen später behandelt werden, indem man sich auch darum kümmert, dass der Patient zum nächsten Facharzt oder in die nächste Abteilung im Hause einen späteren Aufnahmetermin fest bei der Entlassung erhält. Dieses macht zwar mir persönlich etwas Arbeit, aber es hilft dem Patienten und dem Hausarzt und die Wahrscheinlichkeit, dass die übrigen Erkrankungen auch behandelt werden, ist deutlich größer. Auch lege ich immer Wert darauf, während dem stationären Aufenthalt dem Patienten mit vielen Kleinigkeiten zu helfen. Es ist immer wieder erstaunlich wie dankbar die Patientin danach sind. Dieses schafft neben einer guten Aufnahme und guten Aufklärung für Operationen Vertrauen des Patienten in seine Behandler und Operateur. Ich war immer überrascht wie häufig Patientin nach einem Aufklärungsgespräch fragten, ob ich sie operiere. Sie hätten nach dem Aufklärungsgespräch großes Vertrauen in mich. Ich habe noch die alte Schule, dass der Operateur den Patienten persönlich kennen muss und mit ihm vor der OP gesprochen haben muss, Patienten anschauen um gut vorbereitet in die OP sonst wurde man vom OP Plan gestrichen.
Was geben Sie jungen Ärztinnen und Ärzten mit auf dem Weg?
Dr. Christoph Weber: Man benötigt solides medizinisches Wissen, das sich aus Büchern aneignen lässt, sowie klinische Erfahrung – erst beides zusammen ermöglicht eine gute Patientenversorgung. Viele operative Techniken lernt man zudem nur durch das Beobachten erfahrener Operateure und durch eigene Praxis.
Ich lege großen Wert auf eine saubere OP-Technik, insbesondere bei Freipräparation sowie Nahtführung und Nahttechnik. Dabei habe ich meinen Assistenten immer wieder gezeigt, wie sich beispielsweise die Nadel korrekt im Nadelhalter einspannen lässt, um das Nähen zu erleichtern. Einige haben diese Hinweise dankbar aufgenommen; zugleich ist mir bewusst, dass diese Fähigkeiten für Anfänger anspruchsvoll sind und Zeit brauchen, bis sie sicher beherrscht werden.
Im Stationsalltag gilt Vergleichbares: Der erste Kontakt mit dem Patienten – meist in der Aufnahme oder Notaufnahme – ist entscheidend. Verläuft er gut, werden spätere Unzulänglichkeiten eher toleriert. Auch die Entlassung spielt eine wichtige Rolle: Der Arztbrief sollte frühzeitig vorliegen, inhaltlich präzise sein und den Hausarzt umfassend informieren. Eine sorgfältige Dokumentation schafft Vertrauen und bildet die Grundlage für eine gute weitere Versorgung und Zusammenarbeit.
Gibt es Menschen denen sie besonders danken möchten?
Dr. Christoph Weber: Unter meinen zahlreichen Ausbildern möchte ich einige besonders hervorheben, von denen ich nicht nur fachlich, sondern auch menschlich viel lernen durfte: Prof. Tscherne, Direktor der Unfallchirurgie an der MHH Hannover, sowie Prof. Spillner und Dr. Kameda, beide Oberärzte der Herz- und Gefäßchirurgie an der Universitätsklinik Freiburg.
In Straubing gilt mein besonderer Dank meiner langjährigen Sekretärin Frau Sabine Muck. Gemeinsam haben wir 2005 die Gefäßsprechstunde aufgebaut. Sie hat mich mit vielen wertvollen Tipps und Ideen unterstützt, um die Gefäßchirurgie, die im Haus zunächst eine eher untergeordnete Rolle spielte, weiterzuentwickeln. Zudem hat sie zahlreiche Fortbildungen für Ärzte und Patienten mit großem Engagement organisiert und vorangetrieben. Ohne ihre Unterstützung wäre es mir nicht gelungen im Jahr 2010 eine Sektion für Gefäßchirurgie zu etablieren, nachdem wir die Leistungszahlen deutlich steigern konnten. Zunächst übernahm sie hier die Position der leitenden Sekretärin, später wurde sie zur Chefsekretärin ernannt. Sie ist diesen Weg von Beginn an mit mir gegangen, hat die Abteilung – die inzwischen eine eigenständige Klinik ist – bis heute aktiv mitgestaltet und kontinuierlich verbessert. Auch Prof. Betz kann sich in hohem Maße auf sie verlassen.
Nicht unerwähnt bleiben soll meine Frau, die hier im Hause die Nephrologie geleitet hat. Gefäßchirurgie und Nephrologie betreuen viele gemeinsame Patienten, sodass ein enger fachlicher Austausch möglich war. Wir konnten viel voneinander lernen – so sehr, dass ich mit einem Augenzwinkern sagen würde: Sie ist die beste Chirurgin (ohne operieren) unter den Nephrologen, und ich der beste Nephrologe unter den Gefäßchirurgen. Davon haben vor allem unsere gemeinsamen Patienten profitiert.
Was werden Sie am meisten vermissen und was weniger?
Dr. Christoph Weber: In den vergangenen Jahren haben sich die Personalprobleme deutlich verschärft. Es wird zunehmend schwieriger, qualifizierte und engagierte Mitarbeitende zu gewinnen. Zudem wechseln viele häufiger die Stelle, sodass es kaum noch gelingt, Kontinuität in einer Abteilung aufzubauen. Ich habe meinen Beruf 41 Jahre lang ausgeübt – und tue es bis heute mit großer Freude. Nie habe ich ihn als Belastung empfunden, sondern stets als Bereicherung für mein Leben. Da ich auch außerhalb der Arbeit viele Interessen habe, bin ich zuversichtlich, dass meine Tage weiterhin erfüllt sein werden. Gleich am ersten Tag nach meinem letzten Arbeitstag werden wir eine Reise antreten – nach Japan. Für mich ist das ein bewusster und guter Schnitt.
Zum Abschluss bleibt vor allem eines: großer Respekt und Dank für ein langjähriges ärztliches Wirken, das von fachlicher Exzellenz, Verlässlichkeit und echter Menschlichkeit geprägt war. Dr. Weber hat nicht nur die Klinik für Gefäßchirurgie entscheidend mitgestaltet und aufgebaut, sondern auch Maßstäbe im Umgang mit Patienten gesetzt. Für den Ruhestand wünschen wir alles erdenklich Gute, viel Glück und vor allem Gesundheit.
Ein Lebenswerk für die Nephrologie – Prof. Marianne Haag-Weber verabschiedet sich in den Ruhestand
Mit außergewöhnlichem Engagement, medizinischer Exzellenz und unermüdlichem Einsatz hat sie eine Klinik geprägt – und Maßstäbe gesetzt, die weit über Straubing hinausreichen.
Der lange Weg zur Exzellenz
Ihre Karriere begann nicht mit Sicherheiten. „Damals gab es einen Ärzteüberfluss. Auf jede Stelle kamen unzählige Bewerbungen“, erzählt sie. Ihrem Mann, Dr. Christoph Weber und ihr, war es immer wichtig eine sehr gute Ausbildung zu erhalten, um später möglichst gute Ärzte werden zu können. Beide hatten dazu häufig räumliche Trennungen in Kauf genommen. Prof. Marianne Haag-Weber hatte das Glück, dass sie über ihren Doktorvater eine Assistentenstelle an der Uniklinik Freiburg angeboten bekommen hatte. Er hat passend zum Ende ihres Studiums in Würzburg einen Ruf als Oberarzt nach Freiburg erhalten und durfte 3 Assistentenstellen besetzen. Am Ende ihrer Internistenausbildung hatte Prof. Hörl eine Chefarztstelle an der Uniklinik Homburg/Saar angetreten und sie als Oberärztin mitgenommen. Zwei Jahre später erhielt Prof. W. Hörl einen Ruf auf den einzigen Lehrstuhl für Nephrologie in Österreich nach Wien. „Ich war die Einzige von seinem Team, die als Oberärztin auch noch nach Wien mitgehen konnte“, berichtet Prof. Marianne Haag-Weber. Das Ziel von ihrem Mann und ihr war immer am Schluss der Ausbildung in räumlicher Nähe für beide eine zufriedenstellende Stelle zu bekommen.
„Wien war für mich ein Sprungbrett wieder zurück nach Deutschland. Ich habe mich damals gegen eine weitere Universitätskarriere entschieden, da ich die Patientenversorgung noch mehr liebte als die Wissenschaft. Als Straubing 1997 einen Nephrologen suchte, war es für mich ein bisschen wie nach Hause zu kommen. Die Verwandtschaft mütterlicherseits kommen alle aus der Umgebung aus Straubing“, fasst sie diesen Schritt zusammen. In Straubing gab es keine Nephrologie und nur eine Dialyse mit sehr schlechtem Ruf. Ihre Erfahrung aus Homburg/Saar war dann mitentscheidend, dass sie sich für Straubing entschied. In Homburg/Saar lehnte die gesamte Ärzteschaft das Team um Prof. Hörl ab. Sie habe sich deshalb überlegt, dass es vielleicht besser ist ihre Energie in Aufbauarbeit zu stecken als eventuell bei Übernahme einer etablierten Nephrologie nochmals gegen eine Opposition ankämpfen zu müssen.
Ein Kraftakt mit Wirkung und ein Vermächtnis für die Zukunft
Die Krönung ihres Wirkens kam kurz vor dem Ruhestand: die erfolgreiche Zertifizierung zur nephrologischen Schwerpunktklinik – ein Prozess, der normalerweise Jahre dauert. Prof. Marianne Haag-Weber schaffte es in sechs Monaten. Was nüchtern wie eine organisatorische Leistung klingt, war in Wirklichkeit ein intensiver Kraftakt: Strukturen mussten aufgebaut, Prozesse etabliert, Personal geschult und interdisziplinäre Zusammenarbeit neu gedacht werden. Doch das Ergebnis spricht für sich: ein Audit ohne Beanstandungen, mit außergewöhnlich positiven Rückmeldungen. Besonders hervorgehoben wurden die Patientenorientierung, innovative Ansätze und die konsequente Qualitätsorientierung. „Das war schon etwas Besonderes“, sagt sie. Sehr wichtig war Prof. Marianne Haag-Weber, dass das Erreichte Bestand hat. Die Zertifizierung versteht sie nicht nur als persönlichen Erfolg, sondern auch als Fundament für die Zukunft der Klinik. Sie beschreibt es so: „Es wird etwas weitergegeben: eine Struktur, die Bestand hat, die Gewissheit, dass sich konsequentes Handeln am Ende auszahlt – und letztlich ist genau das der Ritterschlag.“ Gerade für ein Haus der Größe Straubings sei diese Auszeichnung ein Meilenstein – und eine Chance, sich langfristig zu behaupten.
Nephrologie auf höchstem Niveau als Leitmotiv
Vor 29 Jahren wäre eine nephrologische Schwerpunktklinik in Straubing kaum vorstellbar gewesen. Doch von Anfang an bestand das klare Ziel, hier eine Nephrologie auf höchstem Niveau aufzubauen. Prägend war dabei insbesondere der Einfluss ihres Doktorvaters und späteren Chefs, Prof. Hörl. In der Sprache des Fußballs brachte er es auf den Punkt: Wirklich erfüllend sei es nur, in der „Champions League“ oder zumindest in der 1. Bundesliga zu spielen – nicht in der zweiten Liga.
Patient im Mittelpunkt
„Mein Motto war immer, den Patienten so zu behandeln wie ich selbst behandelt werden wollte. Den chronisch kranken Patienten möglichst viel Lebensqualität zu ermöglichen war das Grundprinzip meines Handelns. So habe ich versucht, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse durch innovative Ideen dem Patienten zu Gute kommen zu lassen“, berichtet sie.
Straubing wurde zu einer festen Größe in Deutschland und Prof. Marianne Haag-Weber war deutschlandweit bis zum Schluss eine gefragte Referentin. Die Patienten haben das Engagement sehr geschätzt. Dank der Empfehlung des Patienten Siegfried Bäumel wurde Prof. Haag-Weber 2022 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Und jetzt?
„Reisen“, sagt sie sofort. „Und wandern.“ Dinge, für die im Klinikalltag kaum Zeit blieb. Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt mit mehr Freiheit: spontaner leben, Konzerte besuchen und vor allem Freundschaften pflegen. „Das ist über die Jahre oft zu kurz gekommen“, sagt sie. Ganz loslassen wird sie dennoch nicht. „Medizin macht mir nach wie vor Spaß – ich werde sicher noch ein bisschen unterstützen.“ Denn wer seinen Beruf als Berufung versteht, legt ihn nicht einfach ab.
Was bleibt und was trägt
Auf die Frage, was sie jungen Kolleginnen und Kollegen mitgeben würde, fasst sie ihr Verständnis von Medizin in einem Satz zusammen: „Macht es mit Überzeugung und Begeisterung. Und macht es für die Patienten.“ Ein einfacher Gedanke – und doch einer, der ihr gesamtes Berufsleben prägt.
Drei Worte für ein Lebenswerk
Zum Abschluss die Frage, ob sich ihre Karriere in drei Worte fassen lässt. Sie überlegt kurz. Dann sagt sie: „Nephrologin aus Leidenschaft.“ Ein Satz, der alles zusammenfasst. Und einer, der nachklingt. Und genau das“, sagt Prof. Marianne Haag-Weber am Ende des Gesprächs, „ist vielleicht auch etwas, was ich gerne weitergeben würde.“ „Man darf sich nicht entmutigen lassen. Weder von Strukturen, noch von Widerständen, noch von Personalsituationen. Die gehören dazu.“
Mit ihrem unermüdlichen Einsatz, ihrer klaren Haltung und ihrem Blick für das Wesentliche hat Prof. Marianne Haag-Weber die Nephrologie in Straubing nachhaltig geprägt. Sie hinterlässt nicht nur Strukturen auf höchstem Niveau, sondern vor allem ein Verständnis von Medizin, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Ihr Wirken wird weit über ihren Ruhestand hinaus spürbar bleiben.
Klinik für Nephrologie



