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„Sie haben den Tod überlebt“

(03.02.2026)

Beherzt eingreifende Passanten und Notärzte retteten Erwin Wintersperger das Leben. Zusammen mit seiner Familie möchte er sich bedanken und einen Appell geben.

Er kann schon wieder herzhaft lachen, auch wenns noch ein bisschen in der Brust zwickt. Und er hatte Glück im Unglück. Als der 81-jährige Erwin Wintersperger aus Wolferkofen bei Oberschneiding am 21. Januar durch Straubing fährt, erleidet er während der Autofahrt einen Herzinfarkt. Durch das beherzte Eingreifen von Passanten konnte Schlimmeres verhindert werden. Sie reanimierten Wintersperger noch vor Ort und retteten ihm so das Leben (wir berichteten). Nun hat er über das Klinikum die Redaktion kontaktiert, denn er und seine Familie möchten selbst nochmal seinen Ersthelfern vom Unfallort und dem Klinikpersonal Danke sagen – und einen Appell für Erste-Hilfe-Kurse an die Bevölkerung richten.

Bei einem Treffen im Klinikum St. Elisabeth wirkt Erwin Wintersperger den Umständen entsprechend frisch. Er ist schon auf dem Weg der Besserung. Sein Körper muss sich natürlich noch erholen, aber geistig ist er voll da. Gleich zu Beginn nennt er sein volles Geburtsdatum: „Ich will euch nur zeigen, dass ich da oben noch keinen Schaden habe“, meint er grinsend. „Der fängt erst ab hier an“, und deutet auf seine Schulter. Er kann schon wieder scherzen. Dabei war sein Zustand zwischenzeitlich kritisch.

Das weiß mittlerweile auch Wintersperger. Daher antwortet er auf die Frage, wie es ihm geht: „Wenn es einem so ergeht wie mir, wenn du ganz unten warst, dann kannst du mit Recht behaupten, dass es dir gut geht. Wenn man mitkriegt, dass man eigentlich schon am Ende war, dann kann man nicht sagen, dass es einem schlecht gehen würde.“ Nur in der Brust drückt es noch ein bisschen, aber sonst: „Mir geht es gut.“

An den 21. Januar selbst kann sich der 81-Jährige nicht mehr so gut erinnern. Der „Herzanfall“, wie es Chefarzt Prof. Dr. Sebastian Maier bezeichnet, kam plötzlich. „Ich bin in meinem Leben über eine Million Kilometer gefahren und habe nie was angestellt“, sagt Wintersperger, „ich hatte eine Landwirtschaft und habe mit landwirtschaftlichen Maschinen gehandelt“. Dementsprechend hat er viel Kilometer zurückgelegt und konnte sich immer selbst helfen. Bis zum Unfalltag sei er auch alleine wohnend, mit Unterstützung seiner Familie, immer gut selbst zurechtgekommen.

Glück im Unglück am Unfallort

Am 21. Januar war er allerdings auf fremde Hilfe angewiesen. Und hatte eine Menge Glück dabei. Durch das beherzte Eingreifen von Passanten konnte er den „plötzlichen Herztod“, wie es Prof. Maier ausdrückt, überleben. Zusammen mit einem Kollegen holte ihn Sandro Sojer (29) aus seinem Auto. Die drei Frauen Anna Wanninger (37), Kerstin Limbrunner (38) und Lisa Tesch (50) reanimierten Wintersperger bis zum Eintreffen der Notärzte. Hinzu kam noch, dass Wanninger erst vor Kurzem einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert hatte, Limbrunner selbst Ärztin und Tesch Krankenschwester ist. Auch das Glück, dass der 81-Jährige unter Tags und nicht schnell unterwegs war – und so keinen großen Unfall baute –, kamen für ihn begünstigend noch dazu, sagt Prof. Maier: „Sie hatten wirklich einen Haufen Glück.“ 

Das Beste sei jetzt erstmal, so die Ärzte, dass er es mehr oder weniger unbeschadet überstanden habe. „Aber nur durch die Leute vor Ort und die Rettungskräfte“, fügt Wintersperger sofort hinzu. „Ich möchte mich wirklich von ganzem Herzen bei allen Helfern bedanken. Ohne sie wäre ich jetzt nicht mehr hier.“ Er weiß auch: „Alle haben ihren Anteil dabei geleistet.“ Neben den Ersthelfern vor Ort, ist ihm ebenfalls noch wichtig: „Die Ärzte müssen unbedingt auch noch erwähnt werden. Das sind alles super Fachkräfte. Ich wurde hier im Klinikum sehr gut aufgenommen und behandelt.“ Dass die Ersthelfer alle wussten was sie taten, hat ihm das Leben gerettet. Daher kann er auch die Wichtigkeit von regelmäßigen Erste-Hilfe-Kursen gar nicht hoch genug einschätzen: „Heute im Leben ist das das Wichtigste.“ Genau wie die Helfer vor Ort, appelliert auch er an die Bevölkerung, Wissen durch Erste-Hilfe-Kurse immer wieder aufzufrischen – oder nicht zu viele Jahre seit dem letzten Kurs vergehen zu lassen. Wintersperger selbst war jahrelang bei der Freiwilligen Feuerwehr Wolferkofen Kommandant und weiß daher, wie wichtig die richtigen Handgriffe im Notfall sind.

Ähnlich wie beim Brandner Kaspar

Durch die schnelle Hilfe vor Ort konnte der 81-Jährige in das Herzkatheterlabor ins Klinikum gebracht werden, danach auf die Intensivstation, wo er künstlich beatmet wurde. „Herr Wintersperger hatte Herz-Rhythmus-Störungen und Kammerflimmern. Die Ersthelfer haben ihn am Leben erhalten. Er wurde dann vom Notarzt viermal mit Elektroschocks bearbeitet.“ Prof. Maier spricht es frei heraus: „Sie haben den Tod überlebt.“ Ähnlich wie der Brandner Kaspar, fügt Oberarzt Dr. Florian Brattinger hinzu, der dem Tod das ein oder andere Schnippchen schlägt und so immer wieder davonkommt. Wintersperger muss lachen, sich aber noch ein bisschen zurückhalten, fällt ihm schnell auf. Da zwickt es dann schon noch ein bisschen in der Brust.„Mindestens 30 Jahre muss der noch halten“

Aktuell würden sich die Herzkranzgefäße erholen. Ein Defibrillator wurde Wintersperger implantiert, sagt Prof. Maier. An seinem Lebenswillen hat sich nichts verändert: „Dann muss der aber noch 30 Jahre durchhalten, ich bin ja erst 81“, scherzt er. „Fast. In zehn bis 15 Jahren sehen wir uns wieder“, sagt Prof. Maier, „dann müssen wir ihn einmal austauschen“.

Eine weitere gute Nachricht: Bleibende Schäden am Gehirn sind ausgeblieben. „Es hat ein bisschen gedauert, bis Sie wieder einigermaßen klar im Kopf waren. Darum habe ich Sie auch öfters gefragt, wo wir sind und wie sie heißen“, sagt der Chefarzt. „Ganz am Anfang kamen noch nicht die richtigen Antworten, aber irgendwann haben Sie dann gesagt, warum ich Sie denn immer das Gleiche fragen würden.“ Ein gutes Zeichen laut Prof. Maier, eine weitere Operation sei nicht mehr nötig. Wenn sich der Körper und vor allem das Herz einigermaßen erholt haben, ist der nächste Schritt ein Reha-Aufenthalt.

Dass Erwin Wintersperger dort bestimmt sehr gut klarkommen und sich im Laufe der Zeit erholen wird, zeigt schon das Ende des Gesprächs. Ob ein Foto von ihm in Ordnung ist, wird er gefragt. „Ja freilich machen wir eins“, sagt der 81-Jährige und steht wie selbstverständlich aus seinem Rollstuhl auf. „Aber dann müssen die beiden Doktoren auch noch mit drauf“, sagt er und zieht mit einem Lächeln die behandelnden Ärzte Chefarzt Prof. Dr. Sebastian Maier und Oberarzt Dr. Florian Brattinger zu sich heran.

Und auch die beiden haben noch etwas, das sie unbedingt noch loswerden möchten: „Es ist wichtig, so viele Leute wie möglich zu Erste-Hilfe-Kursen zu animieren. Bei einem Notfall ist nämlich das Schlechteste, was man tun kann, nichts zu tun.“

II. Medizinische Klinik
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