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Herausforderungen sind Chancen
Er gibt gerne zu, zu diesem Zeitpunkt hätte er noch nicht erwartet, die Geschäftsführung eines 475-Betten-Klinikums mit 1.900 Mitarbeitern angetragen zu bekommen. Sein Vorgänger Dr. Martin Baumann war nur zwei Jahre in Amt und Würden, ehe er ebenfalls unerwartet neue Herausforderungen innerhalb des Krankenhausverbundes der Barmherzigen Brüder in Regensburg übernahm. Daniel Albus (38) wurde im Zuge dessen sein Nachfolger in Straubing und vom Klinikum-Manager zum Klinikum-Geschäftsführer.
Die berühmten 100 Tage, die seither verstrichen sind, haben lange nicht die Bedeutung für ihn wie für einen Neuling, denn Albus, studierter Gesundheitsökonom, war von 2019 bis 2021 Trainee für künftige Führungskräfte im Krankenhausverbund der Barmherzigen Brüder mit Einblick in alle Managementbereiche an dessen Standorten. Auch ein Pflegepraktikum gehört dazu. Dann Referent der Geschäftsführung in Straubing und seit 2025 Klinikumsmanager und Prokurist. Er hat zwei Geschäftsführern, Dr. Christoph Scheu und Dr. Martin Baumann, mehr als nur über die Schulter schauen, eigenständig Projekte verantworten können und habe viel von beiden und das Haus bis in den letzten Winkel und alle geläufigen Prozesse kennengelernt, sagt Albus.
Das Alter – der Elefant im Raum
OB Markus Pannermayr, 36 Jahre alt, als er 2008 ins Amt kam, kennt den „Elefant im Raum“, wie Albus die Anspielung aufs junge Alter lachend nennt. Er sei damals auch öfter auf sein Alter angesprochen worden, habe ihn der OB getröstet. Das Alter sei nicht ausschlaggebend, sagt Albus, es gehe um Qualifikation, menschlichen Umgang, Respekt und die Fähigkeit zu Menschenführung und Teambildung. Und da sieht er sich gut aufgestellt.
Ins Gesundheitswesen hat es Daniel Albus schon früh gezogen. Der gebürtige Tübinger ist familiär vorgeprägt. Sein Vater war im dortigen Universitäts-Klinikum Leiter der Finanzbuchhaltung. Und er selber fand während seines Zivildienstes dort den Medizinbetrieb so spannend, dass er Betriebswirtschaftslehre im Gesundheitswesen an der Hochschule in Neu-Ulm studierte. Dabei geht es vor allem um Finanzen, Marketing und Personalwesen im Krankenhaus, erklärt er. Mit dem Bachelor in der Tasche wechselte er an die Uni Bayreuth und absolvierte dort den Masterstudiengang Gesundheitsökonomie. Der wiederum eröffnet „einen Blick aufs Gesundheitswesen aus der Vogelperspektive“. Ein Auslandssemester verbrachte er in San Antonio/Texas – in der Zeit von Trumps erster Kandidatur. Das habe ihm einen differenzierten Blick auf die USA verschafft, deutet er an.
Masterarbeit über Medizin in alternder Gesellschaft
Albus schrieb seine Masterarbeit über Modelle der Gesundheitsversorgung „in einer Gesellschaft langen Lebens“. Bayreuth gelte als Kaderschmiede der Gesundheitsökonomie in Deutschland. Auch Dr. Martin Baumann habe dort studiert. Es werde oft von „Bayreuther Prägung“ gesprochen. Was das heißt, sei ihm im Austausch anhand gemeinsamer Sichtweisen mit Baumann bewusst geworden, erzählt er. Die Barmherzigen Brüder als Krankenhausträger haben Albus von jeher überzeugt, ihre klare Werteorientierung und ihre klug vernetzten Strukturen.
Dass er jetzt in krisenhaften Zeiten des Gesundheitswesens in verantwortlicher Position ist, macht ihm keine Angst. Seine Philosophie ist, Herausforderungen grundsätzlich als Chancen zu sehen. Im Übrigen machten andere Länder vor, wie man mit den aktuellen Fragen umgehen könne. Reformen seien dringend geboten, ja überfällig. Das fallbezogene Abrechnungssystem sei bisher nur modifiziert worden. Es gebe zu viele Krankenhäuser, das System sei im Ländervergleich zu teuer und extrem bürokratisch.
Dem Straubinger Klinikum komme zugute, dass es von der medizinischen Qualität her sehr gut aufgestellt sei, hervorragendes Personal habe und seine Hausaufgaben mache. Zentralisierung, Spezialisierung, höchster Anspruch an Patientensicherheit und der Krankenhausverbund seien von Vorteil. Der aktuell so gut wie abgeschlossene Neubau - mit viel Geduld aller Beteiligten im laufenden Betrieb umgesetzt – mit Verbesserungen für Endoskopie, Kardiologie und Intensivstation bis hin zur Rückverlagerung der Geriatrie und schließlich Verfügbarkeit eines größeren Parkhauses lasse das Haus profitieren.
Klinikum kommen seine Stärken zugute
Problem sei nur, dass die Situation so unplanbar geworden sei. „Wir müssen mit Gesetzen umgehen, die noch gar nicht beschlossen sind“, moniert er. Mitunter würden avisierte Zuschüsse wieder gekürzt. An kurzfristigen Entscheidungen hingen oft Millionenbeträge. Und nicht selten heiße es vage, „soll beschlossen werden“. Eigentlich, sagt er, fühle man sich permanent mitfiebernd wie bei Trumps täglich wechselnden Einfällen – was kommt wohl als Nächstes?
Was die aktuellen Herausforderungen sind? Da braucht er nicht lange zu überlegen: Fachkräftemangel, demographischer Wandel bei Mitarbeitern wie Patienten, Wohnraummangel für Mitarbeiter, Integration ausländischer Pflegekräfte (die man bereits mit 68 Nationen im Haus mustergültig betreibe), vor allem aber die Finanzierbarkeit. Nach wie vor sei fallbezogen abzurechnen und Fixkosten würden nicht voll finanziert. Die wirtschaftliche Situation sei extrem herausfordernd. Freigemeinnützige Träge wie die Barmherzigen Brüder hätten einen Wettbewerbsnachteil, sie müssten Defizite selber ausgleichen, während kommunale Krankenhäuser von der öffentlichen Hand ausgeglichen würden. Es stelle sich die Frage, ob der Staat überhaupt Träger-Pluralität haben wolle?
Wettbewerbsnachteil frei-gemeinnütziger Träger
Albus ist nicht nur vom Medizinbetrieb geprägt, mindestens genauso vom Leistungssport. Er spielte in Ulm Weißenhorn Basketball in der Zweiten Bundesliga, was sich gut mit seinem Studium kombinieren ließ, meint er schmunzelnd. Basketball liegt fast nahe, denn er ist 1,97 Meter groß. Im Sport lerne man, mit Erfolgen und Niederlagen ausbalanciert umzugehen, sagt er. Das helfe im echten (Berufs-) Leben.
Vorgenommen hat er sich, das ohnehin weit oben rangierende gemeinschaftliche Denken im Haus noch weiter voranzutreiben. Er schätzt Teamarbeit. Frauen- und familienfreundliche Arbeitsplätze liegen ihm am Herzen, das Entwickeln entsprechender Dienstmodelle. Dafür habe ihn seine Frau, von Beruf Gynäkologin, sensibilisiert. Er ist optimistisch. „Wir schaffen es, gute Arbeit zu machen, weil viele vor uns gute Arbeit gemacht haben“, sagt Albus, der mit seiner Familie - seiner Frau sowie den beiden Kindern, drei Jahre und acht Monate alt, in Regensburg lebt. Die Familie ist seine Energiequelle und immer noch der Sport – Tennis und Basketball – wenn es die Zeit erlaubt.
Quelle: Monika Schneider-Stranninger, Straubinger Tagblatt vom 03.04.2026

