Medien

„Endlich mit beiden Ohren hören“

(17.02.2026)

HNO-Klinik am Klinikum St. Elisabeth setzt 35-jährigem Patienten, der ohne Gehörgang geboren wurde, aktives Mittelohrimplantat ein. Besondere Technologie hilft bei seltener Erkrankung.

Der Patient wurde ohne Gehörgang im rechten Ohr geboren. Das kommt sehr selten vor. Sein linkes Ohr ist gesund. Nach mehreren erfolglosen Arztbesuchen in Rumänien und Deutschland hatte Ionut-Ovidiu Stefan sich mit seiner Hörbehinderung abgefunden. Nun erfüllte die HNO-Klinik am Klinikum St. Elisabeth seine langgehegte Hoffnung. Chefarzt Prof. Dr. Antoniu-Oreste Gostian und komm. Leitende Oberärztin Dr. Elisabeth Wimmer setzten dem 35-jährigen Familienvater aus Geiselhöring kürzlich auf der rechten Seite ein aktives Mittelohrimplantat ein. „Mein Gehör hat sich verdoppelt“, ist Stefan vom Erfolg begeistert.

Ohne Gehörgang hörte Ionut-Ovidiu Stefan von Geburt an auf dem rechten Ohr praktisch nichts. „Ich habe nur mit dem linken Ohr gehört.“ Er musste nah zu seinen Gesprächspartnern und lernte, von den Lippen abzulesen. In der Kindheit habe er mehrere Ärzte besucht. Sie hätten ihm geraten zu warten, bis er 18 Jahre alt ist. Nur seine missgebildete Hörmuschel wurde bei einer kosmetischen Operation aufgebaut. Ein sehr guter Arzt in Rumänien, vom dem er sich Hilfe erwartete, sei dann gestorben. Seine Hoffnung 2016, dass deutsche Ärzte ihn operieren und er bald normal hören kann, wurde ebenfalls enttäuscht. Das Klinikum St. Elisabeth ist nun die dritte Anlaufstelle für Stefan.

„Sie sind der optimale Patient für das aktive Mittelohrimplantat“

Dass der Chefarzt der Straubinger HNO-Klinik einen rumänischen Namen hat, bestärkte Stefan. Nach verschiedenen Untersuchungen und Tests in der HNO-Klinik sagte Prof. Gostian zu ihm: „Sie sind der optimale Patient für das aktive Mittelohrimplantat.“ Die Herausforderung bei dieser Art von Operation sei es, eine Struktur zu finden, an der das Implantat angekoppelt werden kann, erklärte der Chefarzt. Bei Stefan habe man dafür Reste vom Gehörknöchelchen gefunden.

Implantat auch bei anderen Befunden die passende Lösung

Die Operation dauerte rund drei Stunden. Stefan sei der dritte Patient, den die Hörklinik Niederbayern mit einem derartigen Implantat versorgt, sagt Dr. Elisabeth Wimmer. Das einzige derartige Mittelohrimplantat „Vibrant Soundbridge“, das weltweit zugelassen sei, könne auch bei anderen Befunden wie häufigen Gehörgangsentzündungen, Schwerhörigkeit oder wenn herkömmliche Hörgeräte nicht getragen werden können die passende Lösung sein – für Erwachsene und für Kinder ab fünf Jahren.  

HNO-Klinik fachlich und menschlich ein „Top-Team“

In der HNO-Klinik habe er sich von Anfang an in guten Händen gefühlt, sagt Stefan. Die Mitarbeiter der HNO-Abteilung seien „ein Top-Team“ ­– sowohl fachlich, als auch menschlich. Er habe sich ausgesprochen gut behandelt gefühlt. „Ich höre mit dem rechten Ohr nun genauso gut wie mit dem linken. In der Arbeit höre ich jetzt sogar Geräusche, die die Kollegen nicht hören.“ Die angeborene Hörbehinderung habe auch seine Eltern belastet, als hätten sie eine Schuld auf sich geladen. Umso größer sei ihre Freude. Die ganze Familie sei erleichtert, dass er nun alles hört. Sein siebenjähriger Sohn, das älteste von drei Kindern, musste vorher immer das Gesagte wiederholen, bis er ihn verstanden habe. 

Zusätzlich zum Implantat unter der Haut trägt Stefan außen am Kopf einen Audioprozessor. Von der audiologischen Abteilung im Klinikum wird der Sprachprozessor angepasst. Insgesamt vier Termine sind nach dem Eingriff dafür nötig, sagt Audiologe Alexander Heigl. Der Übungsprozess bei einem Mittelohrimplantat sei für den Patienten mit dem bei einem Hörgerät vergleichbar. Aufgrund seiner guten Erfahrung und großem Interesse am Gesundheitswesen möchte Stefan im Klinikum 2026 eine Ausbildung beginnen. -urs- 

Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde