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„Die Welt ist für mich neu aufgegangen“

(16.12.2025)

HNO-Klinik am Klinikum St. Elisabeth setzt 100. Cochlea-Implantat seit Beginn der Versorgung vor zweieinhalb Jahren ein.

Noel Cornelissen kann nach 50 Jahren hochgradiger Schwerhörigkeit endlich wieder hören.

Für Prof. Dr. Antoniu-Oreste Gostian war es eine ganz besondere Operation: Der Chefarzt der HNO-Klinik am Klinikum St. Elisabeth setzte mit der komm. Leitenden Oberärztin Dr. Elisabeth Wimmer am Mittwoch das 100. Cochlea-Implantat (CI) seit Beginn der CI-Versorgung am Klinikum vor zweieinhalb Jahren ein. Für Patientin Noel Cornelissen, die ihr zweites Ohr versorgt bekam, ist der Eingriff verbunden mit großer Vorfreude, bald wieder Stereo, also mit beiden Ohren, hören zu können. „Die Welt ist für mich neu aufgegangen“, schwärmt die gebürtige Niederländerin immer noch von den Erfolgen der ersten CI-Operation im Frühjahr dieses Jahres in Straubing. Sie war gut 50 Jahre lang stark schwerhörig und musste trotz Hörgeräten mit höchster Verstärkung von den Lippen ablesen. 

Noel Cornelissen kam im November 1970 gesund auf die Welt und lernte normal das Sprechen. „Nach einer Virusinfektion bin ich mit drei Jahren schwerhörig geworden“, erzählt sie. In den Niederlanden empfahlen ihr die Ärzte Hörgeräte. Sie lernte, anderen Menschen von den Lippen abzulesen, und fand sich mit ihrer Situation ab: „Für mich war es normal.“

Als sie vor drei Jahren nach Deggendorf zog, brauchte sie für ihre Arbeit in der Pflege einen Schwerbehindertenausweis. So kam sie in die Hörklinik am Klinikum St. Elisabeth, wo das Team der audiologischen Abteilung verschiedene Untersuchungen zur exakten Diagnose ihrer starken Schwerhörigkeit durchführte. Aufgrund der Befunde und nach umfassender Beratung stellte Prof. Gostian der Patientin die entscheidende Frage: „Wollen Sie besser hören?“

Die Frage ließ sie nicht los. Die Patientin entschied sich für das Implantat und weitere Untersuchungen in der HNO-Klinik folgten. Im März 2025 ließ sich Noel Cornelissen von Prof. Gostian und Dr. Wimmer das erste CI am rechten Ohr einsetzen. Der Eingriff ist eine Standardoperation, er dauerte etwa eine Stunde. Es handelt sich beim CI um eine elektronische Innenohrprothese, die hinter dem Ohr unter die Haut eingesetzt wird, erklärt Prof. Gostian. Eine Elektrode wird während des Eingriffs in die Hörschnecke eingeführt. Sie überträgt das elektrische Signal vom so genannten Sprachprozessor, der außen am Kopf getragen wird, an den Hörnerv.

Nach der Aktivierung des Sprachprozessors im April hörte Noel Cornelissen erstmal ganz fremde Geräusche, „ein krkr“ und alles klang metallisch. Das fand sie nach so langer Zeit der starken Schwerhörigkeit aber nicht verwunderlich. Doch dann geschah es: „Hei, ich höre die Stimme meines Lebensgefährten.“ Von da an hörte Noel Cornelissen auf dem rechten Ohr immer mehr und immer klarer. Auch die Rufanlage an ihrem Arbeitsplatz in der Pflege hörte sie. Gleichzeitig wurde ihr bewusst, wie schlecht sie ohne Cochlea-Implantat gehört hatte.

Kürzlich telefonierte sie mit einem ihrer Söhne, ohne zum Lippenablesen aufs Handy zu schauen: „Ich bin so froh, dass es geklappt hat. Das war eine ganz neue Erfahrung für mich.“ 

Links trug die Patientin weiterhin ihr Hörgerät. Bald merkte sie, dass es keinen Unterschied machte, ob das Hörgerät an oder aus war. Sie hörte alles mit dem ersten Cochlea-Implantat. Daher drehte sie stets ihren Kopf, damit das rechte Ohr zur Geräuschquelle zeigte. „Das war auf Dauer anstrengend.“ So fiel der Entschluss, sich auch am linken Ohr ein Cochlea-Implantat einsetzen zu lassen. „Mein Leben ist jetzt schon viel leichter. Ich freue mich richtig auf das, was noch kommt,“ sagt die Patientin. Mit einem zweiten CI hören und verstehen die Patienten nochmal besser, da es Hören von beiden Seiten ermöglicht, erklärt Dr. Wimmer. Ziel sei es immer, zwei gut versorgte Ohren zu haben.

Nach dem zweiten Eingriff am Mittwoch durch Prof. Gostian und Dr. Wimmer war die Patientin am Donnerstag, dem ersten Tag nach der Operation, schon wieder fit. Die Messungen während der Operation, ob das zweite Implantat funktioniert, brachten sehr gute Ergebnisse, sagen die Audiologen Alexander Heigl und Robert Miedl. Die Anpassung des Sprachprozessors wird ein paar Tage vorgezogen, damit die Patientin ihre drei Söhne und ihre Mutter in der zweiten Dezemberhälfte in den Niederlanden besuchen kann. Im neuen Jahr läuft die Folgetherapie an. Kontroll- und Einstellungstermine sowie regelmäßige logopädische Übungen am Klinikum St. Elisabeth in den ersten eineinhalb Jahren sorgen dafür, dass ein optimales Ergebnis erreicht wird, beschreibt Dr. Wimmer, wie wichtig eine langfristige Begleitung ist. 

Nächste Woche will sich Noel Cornelissen noch Ruhe gönnen. Im Januar wird sie ihre Ausbildung zur Pflegefachfrau fortsetzen. Mit der Behandlung im Klinikum St. Elisabeth ist die Patientin sehr zufrieden. Sie spricht von einem „tollen Team in der HNO-Abteilung“, zu dem auch Alla Gutjar, Leiterin der Funktionsdiagnostik, gehört. Prof. Gostian ist sie sehr dankbar, dass er ihr die Möglichkeit geboten hat, sie mit CIs zu versorgen. 

Der nächste, mittlerweile dritte Hörtag am Klinikum St. Elisabeth bietet Menschen mit Hörproblemen die Möglichkeit, sich zu informieren. Er findet am Samstag 7. März, ab 9 Uhr in Straubing statt. Thema ist „Besser hören, weniger Tinnitus“. -urs- 

Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde