Klinik für Nephrologie
Ganzheitlicher Blick auf Patienten
Die neue Chefärztin der Nephrologie am Klinikum ist eine Straubingerin und eine von jetzt drei Chefärztinnen.
Die berühmten 100 Tage hat sie schon hinter sich. Am 1. April hat Privatdozentin Dr. Lisa Geis, gebürtige Straubingerin, die Chefarztstelle der Nephrologie am Klinikum und die Leitung des KfH-Nierenzentrums Straubing angetreten. Sie ist Nachfolgerin von Prof. Dr. Marianne Haag-Weber, die diese Sparte 29 Jahre höchst erfolgreich geleitet hat. Von „Riesenfußstapfen“ spricht die 44-Jährige und von der „Nachfolge eines Lebenswerks“.
Sie freut sich, dass die Chefstelle in weiblicher Hand bleibt, das sei eine wichtige Botschaft angesichts noch immer wenig Frauen und vor allem Frauen mit Familie in (medizinischen) Führungspositionen. Aber im Endeffekt gehe es nicht um Mann oder Frau, sondern einzig darum, auf menschlich respektvolle Art und mit fachlicher Expertise zu überzeugen. „Hantige gibt es bei beiderlei Geschlecht“, sagt Lisa Geis lachend. Es ist ihr ein Anliegen, Frauen mit Familie bei entsprechendem Willen zu ermöglichen, anspruchsvolle Ausbildungen zu absolvieren und dann auch tätig zu sein. Familie und berufliche Karriere, sowohl als auch, nicht entweder oder. Dafür müssten Männer die Familienarbeit als gleichberechtigte Aufgabe betrachten, sagt sie. Und man brauche ein tragfähiges privates wie berufliches Netzwerk. Sie ist glücklich, das zu haben.
In Straubing am Luggy Abitur gemacht
Nicht minder freut sie sich über das wohlbestellte Haus, das ihre Vorgängerin akribisch erarbeitet, aufgebaut und ihr übergeben hat. Die Klinik hat vor wenigen Monaten das Audit als zertifizierte Nephrologische Schwerpunktklinik glänzend bestanden, „Krönung des Lebenswerks von Prof. Haag-Weber“. Als zwölfte Klinik in Bayern und die erste in Niederbayern. Die Nephrologie ist zum April zudem zur eigenständigen Hauptabteilung aufgewertet worden, was mit dem Chefarzt-Titel verbunden ist.
Lisa Geis ist 1982 im Elisabeth-Krankenhaus geboren, sogar in dem (Altbau-)Trakt des Hauses, der heute unter anderem Nephrologie und Dialyse beherbergt. Während ihrer Mediziner-Ausbildung hat sie am Klinikum Praktika absolviert, unter anderem ein Pflegepraktikum, sie war in der Unfallchirurgie und in der Gynäkologie eingesetzt. Ihr Abitur hat sie am Ludwigsgymnasium abgelegt und vorher die Grundschulen in Ittling und St. Josef besucht, nachdem sie ihre ersten Lebensjahre in der Schweiz verbracht hatte, sagt sie. Dorthin waren die Eltern, die heute wie ihre Schwester in Straubing leben, von berufswegen übergesiedelt. Sie sei familiär vorbelastet, was die Nephrologie betrifft, sagt sie. Ihr Vater ist Physiologe und hat sich als solcher mit Nierenforschung an der Universität beschäftigt. Die Nephrologie ist in ihren Augen eine sehr spannende Disziplin. Nierenpatienten hätten oft auch Herz-, Gefäß- oder rheumatologische Erkrankungen, sodass man als Internist in jeder Hinsicht gefordert sei und dabei den Patienten ganzheitlich in den Blick nehme. Oft über einen langen Zeitraum, ambulant wie stationär, und über verschiedene Stadien der Krankheit hinweg. Bis hin zu Dialyse und Transplantation. Es entstehe ein Vertrauensverhältnis. „Das sind keine Einmalkontakte.“
Dass die Sparte in der öffentlichen Wahrnehmung nicht so präsent sei wie manch andere, schreibt sie dem Umstand zu, dass Nierenerkrankungen meist erst im fortgeschrittenen Stadium spürbare Symptome machen. „Die Dunkelziffer bei chronischen Nierenerkrankungen ist hoch.“ Die Nephrologie habe die vergangenen Jahre einen großen Schub gemacht, sagt sie. „Neue Erkenntnisse, neue Leitlinien. Wir können den Patienten viel mehr anbieten.“ Ein wichtiger Punkt sei, die Rest-Nierenfunktion so lange wie möglich zu erhalten. Dabei seien gut eingestellte Blutdruck- und Diabeteswerte sowie die Einschränkung des Salzkonsums maßgeblich. Der Verzicht aufs Rauchen und ausreichend Bewegung seien natürlich für jedermann hilfreiche Präventionsmaßnahmen.
Vorher Oberärztin an der Uniklinik Regensburg
Dass sie Internistin werden wollte, hat sie bereits am Beginn des Medizinstudiums an der Universität Regensburg gewusst, wo sie später auch beruflich tätig wurde. Privatdozentin Dr. Lisa Geis war vor ihrem Einstieg in Straubing am Klinikum Oberärztin der Nephrologie der Uniklinik Regensburg, mit eigener Funktion. Vorher hatte sie promoviert, wissenschaftlich gearbeitet, den Facharzttitel erworben und zwischenzeitlich zwei Kinder geboren, 2015 und 2017. 2022 hat sie habilitiert. Ihr Mann ist ebenfalls Mediziner und als Leitender Oberarzt in der Klinik für plastische, Hand- und Wiederherstellungs-Chirurgie der Uniklinik Regensburg tätig. Mit ihrer Familie lebt sie in Regensburg. So müssten die Kinder ihr gewohntes Umfeld nicht verlassen. Die gemeinsam gefundene Lösung: Sie pendelt täglich nach Straubing.
Es sei der richtige Zeitpunkt für den Wechsel gewesen, sagt sie, „eine glückliche Fügung“. Sie fühlt sich angekommen und von Kollegen wie Mitarbeitern gut aufgenommen. „Unsere Arbeit ist Teamarbeit“, versichert sie und sieht ihre Aufgabe – „ohne zu romantisieren“ – darin, dafür zu sorgen, dass jeder aus dem Team gerne zur Arbeit komme. Sie sei verantwortlich dafür, das Umfeld dafür zu schaffen, um Medizin auf höchstem Niveau betreiben zu können.
Wohlorganisierte Nephrologie der Reiz
Sie hatte an der Regensburger Uniklinik viele Gestaltungsmöglichkeiten, erzählt sie. „Mir macht meine Arbeit jeden Tag Freude.“ Sie war dort zuständig für Dialyse und System- sowie Autoimmun-Erkrankungen. Gereizt hat sie an der Stelle in Straubing, dass es eine sehr gut laufende, wohlorganisierte Nephrologie und als nephrologische Schwerpunktklinik das gesamte Spektrum abgedeckt sei - außer Transplantationen –, wohl aber die Betreuung von Transplantationspatienten vor und nach dem Eingriff. Dr. Lisa Geis hat die Zusatzbezeichnung Transplantationsmedizin und ist erfahren in der Behandlung von transplantierten Patienten hinsichtlich Immunsuppressiva, möglichen Komplikationen wie Infektionen oder Abstoßungen. Zehn bis 15 Straubinger Dialysepatienten warten übrigens derzeit auf eine Spenderniere.
Dass die Nephrologie so „supergeordnet“ sei, habe ihr den Einstieg erleichtert, sagt sie und schätzt besonders, dass Prof. Marianne Haag-Weber der Bauchfelldialyse zu überdurchschnittlicher Breitenwirkung in Straubing verholfen hat. Rund 130 Patienten kommen zur Hämodialyse, 35 praktizierten die Bauchfelldialyse daheim. Das Verfahren eigne sich nicht für jeden Patienten, aber wenn, erzielten die Betroffenen damit mehr persönlichen Freiraum für ihren Alltag.
Im Rahmen des Straubinger Ärztlichen Fortbildungtags für niedergelassene und Klinikärzte am 22. Juli wird sich Privatdozentin Dr. Lisa Geis bei den Kollegen vorstellen. Die Nephrologie sei angesichts so viel Veränderung diesmal Ausrichter.
Quelle: Monika Schneider-Stranninger, Straubinger Tagblatt vom 11.07.2026

