Karriere

Von der Flucht zur Berufung: Abdul Samad Rasoolis Weg nach Straubing

(28.09.2026)

Neue Heimat, neuer Beruf, neue Perspektiven.

„Meine Reise nach Deutschland war eine lebensgefährliche Reise“, sagt Abdul Samad Rasooli ruhig, wenn er auf den Anfang zurückblickt. Begonnen hat seine Flucht im Iran. „Gleich beim Übergang zur türkischen Grenze wurde mehrmals auf mich geschossen. Ich wurde zum Glück nicht getroffen, erfuhr aber körperliche Gewalt und wurde zurück in den Iran gebracht.“ Beim zweiten Versuch schaffte er es bis nach Istanbul, musste dort jedoch wegen starker Wasserblasen an den Fußsohlen einen Monat pausieren. 

Weiter ging es Richtung Griechenland – doch auch dieser Versuch führte ihn zurück in die Türkei. Über Bulgarien gelangte er schließlich nach Sofia, wo er 21 Tage in einem Flüchtlingscamp verbringen musste. Es folgten rund zwei Monate unter sehr schlechten Bedingungen in Serbien und mehrere Zurückweisungen an der rumänischen Grenze. Schließlich schaffte er es über Ungarn nach Österreich und weiter in die Schweiz. Nach einer langen Reise über Basel und Stuttgart kam er schließlich in Straubing an.

Vom Kindertraum Arzt zum Beruf mit Herz

„Schon als Kind war es mein Wunsch, Arzt zu werden“, erzählt Abdul Samad. In Afghanistan hatte er bereits geplant mit einem Medizinstudium zu beginnen. Nach der Machtübernahme der Taliban musste aber kurzfristig eine Entscheidung für die Flucht getroffen werden. „Als ich in Deutschland ankam, habe ich herausgefunden, dass meine schulische Ausbildung nicht mehr zählt und die deutsche Sprache sehr schwierig ist. Ehrlich gesagt habe ich teilweise aufgehört, über medizinische Berufe nachzudenken.“ 

Mit der Zeit merkte er jedoch, dass ihm die Arbeit mit Menschen Freude macht. „Ich habe Praktika als Kinderpfleger gemacht. Beim ersten Praktikum als MFA habe ich mich dann für diesen Beruf entschieden, weil ich damals dabei war, die schulischen Voraussetzungen zu erfüllen.“ Innerhalb von etwa eineinhalb Jahren bekam er die Möglichkeit, seinen Hauptschulabschluss nachzuholen – und er nutzte diese Chance.

Dankbarkeit und Stolz auf den eigenen Weg

„Mein damaliger Vormund vom Jugendamt und meine Praktikumsbetreuerin haben mir auf diesem Weg sehr geholfen“, sagt er dankbar. „Ich bin dankbar und stolz auf alles, was ich heute habe.“ Wenn er zurückblickt, wird ihm bewusst, wie weit er gekommen ist: „Vor viereinhalb Jahren bin ich hier mit leeren Händen angekommen – ohne Sprachkenntnisse, Ausbildung, Führerschein und ohne Wohnung.“ Dass er seinen Weg ohne seine Eltern geschafft hat, macht ihn besonders stolz. „In meinem Land war ich sehr, sehr abhängig von meinen Eltern.“

Ein Team, das unterstützt und fördert

Heute arbeitet Abdul Samad im MVZ Rheumatologie. Über seinen neuen Arbeitsplatz sagt er: „Das Team ist sehr nett und hilfsbereit. Ich durfte in der kurzen Zeit viel Neues lernen.“ Besonders schätzt er die Unterstützung im Arbeitsalltag: „Ich finde es sehr toll, dass trotz Stress meine Fragen sehr gerne und ausführlich beantwortet werden.“

Neugier als Motor: Nächste Schritte im medizinischen Bereich

Seine Neugier ist geblieben. „Mir geht es immer darum, noch mehr zu wissen“, sagt er mit einem Lächeln. Als Nächstes möchte er einen Röntgenschein machen. „Es gibt zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten bei uns, und ich schaue, wo mein größtes Interesse liegt. Aber ich weiß sicher, dass ich mehr im medizinischen Bereich lernen möchte.“

Geduld, Fleiß und auf sich hören

Zum Abschluss gibt Abdul Samad eine einfache, aber klare Botschaft mit: „Ich würde sagen, man soll auf sich selbst hören und dabei geduldig und fleißig sein. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.“

MVZ Rheumatologie