Karriere

MANV: Wenn der Alarm schrillt, zählt jede Sekunde

(08.08.2025)

Realitätsnahe MANV-Übung im Klinikum Straubing testet Systeme, Abläufe – und zeigt ein starkes Team. 
 

Mittwoch, 17:30 Uhr. Auf einmal schrillt ein akustisches Signal durch das Notfallzentrum (NFZ), Alarmierungen gehen auf den Telefonen ein. 
Auf den Monitoren erscheint eine Meldung, die jedes Teammitglied auf Anhieb erkennt: MANV! Massenanfall von Verletzten.

Der fiktive MANV wird über das IVENA-System gemeldet – mehrere entgleiste Waggons der Waldbahn nach einem Erdrutsch bei Weihmannsried, zahlreiche Verletzte. Die Rettungsleitstelle weist dem Klinikum Straubing zehn Patienten zu. Bei einem MANV50 entsprechen zwei Patienten in Kategorie Rot (lebensbedrohlich verletzt), acht in Gelb (dringend behandlungsbedürftig) und zwanzig in Grün (leicht verletzt) der standardmäßigen Kapazität des Klinikums.

Es ist eine Übung – aber eine, die realitätsnäher kaum sein könnte. Und eine, die zeigt: Unser Team im Notfallzentrum am Klinikum Straubing ist vorbereitet. Organisiert wurde die Übung von Christian Ernst (ÄLRD), dem Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF), der Integrierten Leitstelle (ILS) Straubing sowie Dr. Paul Schubert, Katastrophenschutzbeauftragter unseres Klinikums. Unser NFZ-Team hat zusammen mit weiteren Krankenhäusern daran teilgenommen.

Dr. Paul Schubert, Funktionsoberarzt und Katastrophenschutzbeauftragter, Claudia Bogner, pflegerische Leitung des NFZ, und Dr. Stefanie Lang, leitende Oberärztin des NFZ begrüßten die Übung sehr, die nicht nur Systeme testet, sondern auch Vertrauen stärkt: in die Technik, in die Organisation – und vor allem in das Team.

Geprobt wurden zwei entscheidende Elemente, wie uns Katastrophenschutzbeautragter Dr. Schubert vorab erklärt:

  1. Die Probealarmierung: Ein wichtiger Realitätscheck. Die telefonische Alarmierung wird großflächig im Klinikum und auch bei Mitarbeitenden zu Hause ausgelöst – mit Erfolg: Das System funktioniert.
  2. Ein neues digitales Zuweisungssystem: Zum ersten Mal wird IVENA auch im Katastrophenfall erprobt. Es übernimmt die digitale Patientenlenkung – die Zuweisungen der Verletzten durch die Leitstelle erscheinen direkt auf den Bildschirmen im Notfallzentrum, inklusive akustischem Alarm. „Normale“ Notfälle werden bereits über IVENA abgebildet – ein MANV ist nun die (fiktive) Premiere.

Routine trifft Ausnahme – der erste Fall

18:04 Uhr: Der erste „rote“ Patient wird dem Klinikum digital zugewiesen. Auf dem Bildschirm leuchtet die Meldung auf. Jetzt zählt es – obwohl alle wissen, dass es nur eine Übung ist.

18:10 Uhr: „Patient eingetroffen – Sichtungskategorie Rot“, ruft Dr. Paul Schubert, als zwei Mitarbeitende des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) mit der Verletzten-Anhängekarte eintreffen, die in der Übung den Patienten symbolisiert.

„Wir pflegen den Patienten jetzt ein, akzeptieren die Zuweisung.“ Sofort übernimmt das Team, prüft die Daten, leitet sie an die Kolleginnen der Administration weiter, die den Patienten in ORBIS aufnehmen. Die Kommunikation läuft präzise – wie ein eingespielter Takt.

Kein Schauspiel – echte Prozesse

Anders als bei der letzten Übung gibt es dieses Jahr keine Statisten. Stattdessen liegt der Fokus auf dem, was im Ernstfall ebenso über Leben und Tod entscheiden kann: Kommunikation mit der Leitstelle, strukturierte Abläufe, digitale Dokumentation.

Ein Patient nach dem anderen trifft virtuell ein. Jede einzelne Zuweisung wird dokumentiert, triagiert, in ORBIS aufgenommen. Das Team bleibt konzentriert, diszipliniert, ruhig – trotz des simulierten Ausnahmezustands.

Dann ein unvorhergesehener Moment: Ein „Patient“ erscheint fußläufig im NFZ – ohne vorherige Anmeldung durch den Rettungsdienst, nicht im System gemeldet. Auch das kann im echten MANV passieren. Das Team reagiert routiniert: Kurze Lageeinschätzung, dann erfolgt die Einordnung in die passende Sichtungskategorie. Die spontane Situation wurde souverän gemeistert.

Während die Übung im Gange ist, läuft der reguläre Betrieb des Notfallzentrums natürlich weiter – genauso wäre es auch während eines echten MANVs.

Fazit: Fit für den Ernstfall

Kurz nach 19 Uhr hieß es: Übung erfolgreich abgeschlossen. Die Bilanz ist durchweg positiv – technisch, organisatorisch und menschlich.

Das Team des NFZ hat bewiesen, dass es nicht nur im Klinikalltag stark ist, sondern auch im Ausnahmezustand einen kühlen Kopf bewahrt. Die nahtlose Zusammenarbeit zwischen Pflege, Ärztinnen und Ärzten, Administration und Rettungsdienst war beeindruckend.

Auch wenn die Übung jedes Jahr kurz vor dem Gäubodenvolksfest stattfindet – das Szenario war alles andere als Routine. Katastrophen kennen keinen Kalender. Umso wichtiger, dass wir vorbereitet sind – und das sind wir.

Großer Dank an alle Beteiligten – besonders an das Team des Notfallzentrums!
Ihr habt gezeigt, dass wir auch im Ernstfall vorbereitet sind.
Und das gibt ein gutes Gefühl – für uns alle