Karriere

Ein Leben für die Gefäßmedizin - Abschied von Dr. Christoph Weber

(10.04.2026)

Nach vielen Jahren ärztliche Tätigkeit mit viel Engagement für die Patientenversorgung und die Entwicklung der Gefäßchirurgie im Klinikum Straubinger verabschiedet sich Dr. Christoph Weber in den Ruhestand.

Über 22 Jahre hinweg – davon neun Jahre als Sektionsleiter – hat er die Gefäßchirurgie in Straubing aufgebaut und mit konstant hohem Qualitätsanspruch kontinuierlich weiterentwickelt. Damit schuf er die Grundlage dafür, dass die Gefäßchirurgie unter Chefarzt Prof. Betz vor zwei Jahren als eigenständige Klinik etabliert werden konnte. Im Gespräch mit Jogo blickt er auf seine Zeit in Straubing zurück und spricht über das, was ihm dabei stets besonders wichtig war.

Herr Dr. Weber Sie waren seit 2004 bei uns im Klinikum tätig, viele Jahre als Leiter der Sektion, zuletzt als leitender Oberarzt der Klinik für Gefäßchirurgie. Wollten Sie schon immer Gefäßchirurg werden bzw. wie kam ihr Weg in dieses Fachgebiet?

Dr. Christoph Weber: Ursprünglich wollte ich in die Viszeralchirurgie. Meine Ausbildung begann ich in der Pathologie, um mir fundierte Grundlagen in Anatomie, Gewebeveränderungen und ein Gefühl für die verschiedenen Organe zu erarbeiten. Dabei erkannte ich auch, dass man in der Pathologie die chirurgischen Zugangswege gut nachvollziehen kann. Im Anschluss wechselte ich in die Viszeralchirurgie nach Hannover und war dort auch in der Unfallchirurgie tätig. Viel Zeit verbrachte ich assistierend im OP, konnte dabei aber von Operateuren und erfahrenen Assistenten viel lernen. Meine pathologische Vorbildung half mir dabei besonders. In den 1980er Jahren war die Stellensuche aufgrund der Ärzteschwemme schwierig. Nachdem meine Frau eine Position in Freiburg angetreten hatte, wechselte ich dorthin und begann in der Herz- und Gefäßchirurgie – ein Fachgebiet, das mir zunächst fremd war, in dem ich jedoch meine besondere Stärke für die Gefäßchirurgie entdeckte. Zwei Oberärzte vermittelten mir dort mit großer Geduld eine solide Operationstechnik. Da an der Uniklinik vor allem große Eingriffe das Spektrum dominierten, wechselte ich nach Marktredwitz, wo ich meine chirurgische Facharztausbildung abschließen und zunehmend selbstständig operieren konnte. Diese Erfahrung ebnete mir den Weg an die Uniklinik Lübeck, wo ich in der Gefäßchirurgie weiter tätig war und mein Teilgebiet abschloss. Währenddessen übernahm meine Frau in Straubing die Nephrologie und Dialyse. Ich ging zunächst als Oberarzt nach Landshut-Achdorf und leitete dort die Gefäßchirurgie. 2004 ergab sich schließlich die Möglichkeit, nach Straubing zu wechseln.

Was war Ihnen im Umgang mit den Patienten immer besonders wichtig?

Dr. Christoph Weber: Die Gefäßchirurgie hat eine Ähnlichkeit mit der Nephrologie: Wir haben in der Chirurgie Beziehung zur Inneren Medizin: komplexe Patienten mit nicht nur einer Erkrankung, sondern noch viele Nebenerkrankungen. Mir ist es wichtig, dass man den Patienten als Ganzes sieht also auch mit den zusätzlichen Erkrankungen, da diese in der Gefäßchirurgie für die Indikationsentscheidung wichtig sind. Auch sollten diese mitbehandelt werden bzw. man sollte dem Patienten unbedingt helfen, dass die übrigen Erkrankungen später behandelt werden, indem man sich auch darum kümmert, dass der Patient zum nächsten Facharzt oder in die nächste Abteilung im Hause einen späteren Aufnahmetermin fest bei der Entlassung erhält. Dieses macht zwar mir persönlich etwas Arbeit, aber es hilft dem Patienten und dem Hausarzt und die Wahrscheinlichkeit, dass die übrigen Erkrankungen auch behandelt werden, ist deutlich größer. Auch lege ich immer Wert darauf, während dem stationären Aufenthalt dem Patienten mit vielen Kleinigkeiten zu helfen. Es ist immer wieder erstaunlich wie dankbar die Patientin danach sind. Dieses schafft neben einer guten Aufnahme und guten Aufklärung für Operationen Vertrauen des Patienten in seine Behandler und Operateur. Ich war immer überrascht wie häufig Patientin nach einem Aufklärungsgespräch fragten, ob ich sie operiere. Sie hätten nach dem Aufklärungsgespräch großes Vertrauen in mich. Ich habe noch die alte Schule, dass der Operateur den Patienten persönlich kennen muss und mit ihm vor der OP gesprochen haben muss, Patienten anschauen um gut vorbereitet in die OP sonst wurde man vom OP Plan gestrichen.

Was geben Sie jungen Ärztinnen und Ärzten mit auf dem Weg?

Dr. Christoph Weber: Man benötigt solides medizinisches Wissen, das sich aus Büchern aneignen lässt, sowie klinische Erfahrung – erst beides zusammen ermöglicht eine gute Patientenversorgung. Viele operative Techniken lernt man zudem nur durch das Beobachten erfahrener Operateure und durch eigene Praxis. Ich lege großen Wert auf eine saubere OP-Technik, insbesondere bei Freipräparation sowie Nahtführung und Nahttechnik. Dabei habe ich meinen Assistenten immer wieder gezeigt, wie sich beispielsweise die Nadel korrekt im Nadelhalter einspannen lässt, um das Nähen zu erleichtern. Einige haben diese Hinweise dankbar aufgenommen; zugleich ist mir bewusst, dass diese Fähigkeiten für Anfänger anspruchsvoll sind und Zeit brauchen, bis sie sicher beherrscht werden. Im Stationsalltag gilt Vergleichbares: Der erste Kontakt mit dem Patienten – meist in der Aufnahme oder Notaufnahme – ist entscheidend. Verläuft er gut, werden spätere Unzulänglichkeiten eher toleriert. Auch die Entlassung spielt eine wichtige Rolle: Der Arztbrief sollte frühzeitig vorliegen, inhaltlich präzise sein und den Hausarzt umfassend informieren. Eine sorgfältige Dokumentation schafft Vertrauen und bildet die Grundlage für eine gute weitere Versorgung und Zusammenarbeit.

Gibt es Menschen denen sie besonders danken möchten?

Dr. Christoph Weber: Unter meinen zahlreichen Ausbildern möchte ich einige besonders hervorheben, von denen ich nicht nur fachlich, sondern auch menschlich viel lernen durfte: Prof. Tscherne, Direktor der Unfallchirurgie an der MHH Hannover, sowie Prof. Spillner und Dr. Kameda, beide Oberärzte der Herz- und Gefäßchirurgie an der Universitätsklinik Freiburg. 

In Straubing gilt mein besonderer Dank meiner langjährigen Sekretärin Frau Sabine Muck. Gemeinsam haben wir 2005 die Gefäßsprechstunde aufgebaut. Sie hat mich mit vielen wertvollen Tipps und Ideen unterstützt, um die Gefäßchirurgie, die im Haus zunächst eine eher untergeordnete Rolle spielte, weiterzuentwickeln. Zudem hat sie zahlreiche Fortbildungen für Ärzte und Patienten mit großem Engagement organisiert und vorangetrieben. Ohne ihre Unterstützung wäre es mir nicht gelungen im Jahr 2010 eine Sektion für Gefäßchirurgie zu etablieren, nachdem wir die Leistungszahlen deutlich steigern konnten. Zunächst übernahm sie hier die Position der leitenden Sekretärin, später wurde sie zur Chefsekretärin ernannt. Sie ist diesen Weg von Beginn an mit mir gegangen, hat die Abteilung – die inzwischen eine eigenständige Klinik ist – bis heute aktiv mitgestaltet und kontinuierlich verbessert. Auch Prof. Betz kann sich in hohem Maße auf sie verlassen. Nicht unerwähnt bleiben soll meine Frau, die hier im Hause die Nephrologie geleitet hat. Gefäßchirurgie und Nephrologie betreuen viele gemeinsame Patienten, sodass ein enger fachlicher Austausch möglich war. Wir konnten viel voneinander lernen – so sehr, dass ich mit einem Augenzwinkern sagen würde: Sie ist die beste Chirurgin (ohne operieren) unter den Nephrologen, und ich der beste Nephrologe unter den Gefäßchirurgen. Davon haben vor allem unsere gemeinsamen Patienten profitiert.

Was werden Sie am meisten vermissen und was weniger?

Dr. Christoph Weber: In den vergangenen Jahren haben sich die Personalprobleme deutlich verschärft. Es wird zunehmend schwieriger, qualifizierte und engagierte Mitarbeitende zu gewinnen. Zudem wechseln viele häufiger die Stelle, sodass es kaum noch gelingt, Kontinuität in einer Abteilung aufzubauen. Ich habe meinen Beruf 41 Jahre lang ausgeübt – und tue es bis heute mit großer Freude. Nie habe ich ihn als Belastung empfunden, sondern stets als Bereicherung für mein Leben. Da ich auch außerhalb der Arbeit viele Interessen habe, bin ich zuversichtlich, dass meine Tage weiterhin erfüllt sein werden. Gleich am ersten Tag nach meinem letzten Arbeitstag werden wir eine Reise antreten – nach Japan. Für mich ist das ein bewusster und guter Schnitt.

Zum Abschluss bleibt vor allem eines: großer Respekt und Dank für ein langjähriges ärztliches Wirken, das von fachlicher Exzellenz, Verlässlichkeit und echter Menschlichkeit geprägt war. Dr. Weber hat nicht nur die Klinik für Gefäßchirurgie entscheidend mitgestaltet und aufgebaut, sondern auch Maßstäbe im Umgang mit Patienten gesetzt. Für den Ruhestand wünschen wir alles erdenklich Gute, viel Glück und vor allem Gesundheit.

Klinik für Gefäßchirurgie