Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Minimalinvasive Chirurgie und Proktologie

Hämorrhoiden

Hämorrhoiden sind natürliche Schleimhautpolster aus Venengeflechten, Bindegewebe und Muskelfasern im untersten Teil des Mastdarms, die neben dem eigentlichen Schließmuskel für den Feinverschluss des Enddarms verantwortlich sind. Bei starkem Pressen infolge ständiger Verstopfung, Übergewicht, vorwiegend sitzender Tätigkeit oder Schwangerschaft kann es zur Vergrößerung der Hämorrhoiden und zu damit verbundenen Beschwerden kommen. Man spricht dann vom sogenannten „Hämorrhoidalleiden“.

SYMPTOME

Typische Symptome sind schmerzlose hellrote Blutungen, welche als Stuhlauflagerungen oder auf dem Toilettenpapier bemerkt werden. Des Weiteren kann es zu Jucken, Nässen oder Stuhlschmieren kommen. Im fortgeschrittenen Stadium ist ein Fremdkörpergefühl möglich. Manche Patienten berichten über eine tastbare Vorwölbung aus dem After, die sich zurückdrücken lässt. Schmerzen sind eher untypisch, auch wenn viele Patienten diese gerne auf ihre „Hämorrhoiden“ zurückführen, können aber im Verlauf der Erkrankung ebenfalls auftreten.

Die genannten Symptome können einzeln oder kombiniert auftreten und sind typisch für ein Hämorrhoidalleiden. Trotzdem können sich dahinter viele weitere Erkrankungen verbergen. Nur eine Untersuchung durch einen erfahrenen Arzt kann Gewissheit bringen, ob es sich wirklich um ein Hämorrhoidalleiden handelt!

DIAGNOSE

Durch die Schilderung der Beschwerden kann häufig bereits ein Hämorrhoidalleiden vermutet werden. Trotzdem müssen andere Erkrankungen, welche ähnliche Symptome zeigen, ausgeschlossen werden. Insbesondere bei Blutauflagerungen auf dem Stuhl müssen bösartige Tumoren des Dick- und Mastdarms ausgeschlossen werden. Eine eingehende körperliche Untersuchung, bei der auch die Analregion ausgetastet wird (digital-rektale Untersuchung) ist genauso wie eine endoskopische Spiegelung des Analkanals (Proktoskopie) und Mastdarms (Rektoskopie) nötig. In den meisten Fällen werden diese Untersuchungen durch eine komplette endoskopische Untersuchung des Dickdarms (Koloskopie) ergänzt.

STADIEN

Stadium IVergrößerung der Hämorrhoiden, von außen nicht sichtbar. Häufige Beschwerden: schmerzlose hellrote Blutauflagerungen
Stadium IIVorfall von Knoten beim Stuhlgang, die sich von alleine wieder zurückziehen. Häufige Beschwerden: Brennen, Juckreiz, entzündlich gerötete Haut und Nässen im Analbereich, Fremdkörpergefühl
Stadium III Vorfall von Knoten beim Stuhlgang, die mit dem Finger zurückgeschoben werden müssen. Häufige Beschwerden: Brennen, Juckreiz, permanentes Fremdkörpergefühl, Gefühl der unvollständigen Entleerung nach dem Stuhlgang, stärkere Blutungen.
Stadium IVVorfall von Knoten, die sich nicht mehr zurückschieben lassen. Häufige Beschwerden: siehe Stadium III Man spricht dann vom sogenannten „Hämorrhoidalleiden“.

BEHANDLUNG

Allgemeinmaßnahmen:

Eine entscheidende Maßnahme, um die Beschwerden bei Hämorrhoiden zu lindern, ist es, einen weichen, geformten Stuhlgang zu erreichen, der ohne Pressen entleert werden kann. Zu diesen Maßnahmen gehören ausreichend Bewegung, eine ausgewogene ballaststoffreiche Ernährung in Form von Gemüse und Obst, die Vermeidung blähender Speisen und reichliche Trinkmengen.

Salben und Zäpfchen:

Helfen meist nur bei Stadium I oder II. Sie lindern die Entzündung, bekämpfen akute Schmerzen und stillen den Juckreiz. Sie helfen damit, Symptome zu verringern, beseitigen jedoch nicht die Ursache der Beschwerden.

Gummibandligatur:

Geeignet im Stadium II. Bei dieser Methode werden einzelne Hämorrhoidalknoten mit einem Gummiband abgeschnürt. Das Gewebe verkümmert dadurch und wird nach wenigen Tagen abgestoßen. Eine spezielle Narkose ist bei dieser Behandlung nicht notwendig, der Eingriff wird ambulant durchgeführt.

Hämorrhoiden-Arterien-Ligatur (HAL):

Mit Hilfe einer Ultraschall-Doppler-Sonde werden in Narkose die zuführenden Arterien der vergrößerten Hämorrhoidalpolster aufgesucht und gezielt durch eine Naht unterbunden. In der Folge verkleinern sich die Polster aufgrund der gedrosselten Durchblutung. Durch eine zusätzliche spezielle Nahttechnik können bereits während der Operation vergrößerte vorgefallene Hämorrhoidalpolster zurück in den After geschoben und hier fixiert werden (Rekto-analer Repair = RAR). Dieses Verfahren eignet sich für das Stadium II bis III, auch an mehreren Lokalisationen.

Operation nach Milligan-Morgan:

Geeignet für Stadium II und III. Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt. Hierbei wird der vergrößerte Hämorrhoidalknoten (oder mehrere Knoten) ausgeschnitten und die Wundfläche offen gelassen.

Operation nach Longo (Stapler-Hämorrhoidektomie)

Geeignet im Stadium III, v.a. bei ausgedehntem Befund mit zirkulär angeordneten mehrfachen Hämorrhoidalknoten. Durch diese neue Operationsmethode wird oberhalb des Analkanals ein Schleimhautstreifen mit einem speziellen Klammernahtapparat (sog. Stapler) entfernt. Hierdurch wird der Schleimhautvorfall behoben, die nach außen vorgefallenen Hämorrhoiden zurückverlagert und die Blutzufuhr zu diesen Venengeflechten verringert. Vorteile dieser Methode sind eine rasche Heilung, kaum Schmerzen und die Abwesenheit von offenen Wunden.

 Vor der Entscheidung zur jeweiligen Behandlungsmethode steht immer eine genaue Untersuchung durch einen erfahrenen Arzt. Zusammen mit dem Patienten wird dann die optimale Behandlung geplant und durchgeführt.