Der größte Feind ist der falsche Schuh

Gefäßexperten am Klinikum St. Elisabeth werben für Fußpflege als Schutz vor chronischen Wunden. Einem oft vernachlässigten Körperteil, dem Fuß, widmete sich der Gefäßtag am Samstagvormittag im Klinikum St. Elisabeth. Gerade Zuckerkranke und Patienten mit Durchblutungsstörungen sollten ihre Füße am besten täglich unter die Lupe nehmen und pflegen, um die gefürchteten chronischen Wunden zu vermeiden.

Der größte Feind ist der falsche Schuhurs

Riefen die Besucher des Gefäßtags im Klinikum St. Elisabeth dazu auf, ihre Füße regelmäßig zu begutachten und gut zu pflegen: Dr. Christoph Weber (links), Leiter der Sektion Gefäßchirurgie, und Dr. Andreas Krichbaum.

Diese Botschaft gaben die Experten der Angiologie und Gefäßchirurgie den vielen Besucher mit auf den Weg.

Hochrisiko-Faktoren für chronische Wunden an den Füßen sind Nervenschäden vor allem bei Diabetes mellitus und Durchblutungsstörungen, sagte Dr. Andreas Krichbaum. Bei Nervenschäden verursachten Verletzungen keine Schmerzen und blieben unbemerkt. Durchblutungsstörungen lassen Wunden schlecht heilen. Deshalb sollte bei Fußproblemen aufs Barfußlaufen verzichtet werden. Ein individueller Diabetes-Schutzschuh vom Orthopädie-Schuhtechniker, der den Fuß von Schäden und Druckstellen abschirmt, sei zu empfehlen.

Dass hier großer Handlungsbedarf besteht, zeige die Praxis, berichtete Dr. Krichbaum. „Drei Viertel der Fuß-Schäden bei Zuckerkranken werden durch falsche Schuhe ausgelöst. Falsche Schuhe sind der größte Feind des Fußes.“ Er riet von engen Sicherheitsschuhen ebenso ab wie von offenen Sandalen. Selbst angepasste Schutzschuhe könnten Füße misshandeln, wenn sie zu lange getragen werden oder sich Fremdkörper wie ein Reißnagel unbemerkt einnisten. „Sie glauben nicht, was sich in Schuhen alles findet.“ Wachse der Druck auf eine bestimmte Stelle des Fußes - zum Beispiel nach Fußverformungen wie Hammer- oder Krallenzehe -, könne sich eine offene Stelle entwickeln. „Eine Wunde heilt nicht, wenn Druck darauf ist.“

Auch ungepflegte Zehennägel könnten gleich einer Säge den Fuß verletzen. Von „Mordwerkzeugen“ wie Rasierklingen und Hobeln mit Metall zur Entfernung von Hornhaut riet der Referent dringend ab. Er empfahl vielmehr, die Hornhaut an den Füßen regelmäßig nach dem Duschen mit einem Bimsstein abzuschmirgeln und danach mit einer harnstoffhaltigen Creme einzureiben. „Schauen Sie Ihre Füße regelmäßig an, auch von unten. Ein Spiegel mit Teleskopstiel kann helfen.“ So würden Rötungen, Blasen und Einrisse früh entdeckt.

Über 80 Prozent der chronischen Wunden würden durch Gefäßerkrankungen verursacht, sagte Dr. Christoph Weber, Leiter der Sektion Gefäßchirurgie. Dazu zählten arterielle Durchblutungsstörungen, Venenerkrankungen und Lymphödeme. Das oberste Gebot bei der Behandlung von chronischen Wunden laute, die Durchblutung zu verbessern. Denn die Wundheilung benötige zehn Mal so viel Blut wie der gesunde Fuß. Neben der Behandlung der Ursachen für die chronische Wunde müsse die Wunde selbst versorgt werden.

Zur Behandlung der Durchblutungsstörungen gebe es kleinere Eingriffe wie die Gefäßaufdehnung und Gefäßstützen (Stents) sowie Operationen wie Ausschälen und Bypass sowie eine Kombination der Verfahren. Ziel sei hierbei, den Blutfluss zu verbessern und Amputationen zu vermeiden. Der Medizin sei es in den vergangenen Jahren gelungen, das Ausmaß der Amputationen zu verringern. Heute könnten mehr Patienten mit eigenem Fuß weitergehen.

Zur Versorgung der chronischen Wunden stehen viele Verbandsmaterialien und Arzneimittel zur Verfügung. Da die Leitlinien viel Spielraum ließen und jede Wunde anders reagiere, erfordere die Behandlung große Erfahrung. „Langwierige Behandlung ohne standardisierte Verfahren sowie viele wechselnde Behandlungs-Partner stehen aber einer optimalen Versorgung chronischer Wunden im Weg“, bemerkte Dr. Weber. Daher habe man in Straubing den Wundverbund Gäuboden gegründet. Alle Teilnehmer zögen zum Wohl der Füße an einem Strang. Auch jeder einzelne Patient könne auf den Heilungsprozess durch salzarme Ernährung positiv einwirken: Salz behindere die Wundheilung.

Ebenso wie die Referenten nahmen sich auch die Vertreter von Wundverbund Gäuboden, Malteser Hilfsdienst, Deutscher Herzstiftung sowie verschiedener Firmen und Krankenkassen Zeit, die Fragen der Besucher zu beantworten. -urs-

 

 

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