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Wer vorsorgt, hat mehr vom Leben

Großer Ansturm mit 400 Gästen beim Darmtag im Klinikum mit zahlreichen Vorträgen. Wer vorsorgt, hat mehr vom Leben. Mit zahlreichen Plädoyers und Beispielen machten sich Ärzte und AOK am Montagabend beim Darmtag im Klinikum St. Elisabeth stark für mehr Bereitschaft zu Vorsorgeuntersuchungen.
Bild Darmtag im Klinikum Straubing
Chefarzt Prof. Dr. Weigert mit Besuchern am Darmtag im Klinikum Straubing

„Die Hälfte von rund 60000 Todesfällen wäre damit zu verhindern." Niemand müsse Angst vor dem Darm-TÜV haben.Und obwohl die Zahlen der Vorsorguntersuchungen gegen Niederbayern sprechen, ist mit dem Darmtag von mehreren Veranstaltern ein guter Anfang gemacht. Vergangenes Jahr kamen rund 100 Gäste, die doppelte Menge hatte man heuer eingeplant. Doch über 400 kamen, meist ältere Menschen.

Spontan musste nach der Begrüßung von Geschäftsführer Dr. Christoph Scheu noch das Foyer des Klinikums bestuhlt werden. Und jeder Arzt, der im Saal der Krankenpflegeschule seinen Vortrag gehalten hatte, spurtete schnell weiter, um dort sein Referat zu wiederholen.

Die Zahlen sind alarmierend, die Prognosen wären aber eigentlich gut. Jedes Jahr erkranken mehr Menschen in Deutschland an Darmkrebs. Prof. Dr. Norbert Weigert zählte die Steigerung von 57000 Patienten im Jahr 1998 zu rund 75000 bei der Zählung von 2008 auf. Dramatische Zahlen. Dabei müsse Darmkrebs kein Todesurteil sein. Die Erkrankungen nehmen zwar zu, die Sterberate bei diesem Krebs nimmt aber - auch dank Vorsorgeuntersuchungen - ab (29700 Tote 1998; 27800 Tote 2004).

Neben Krebs wurden noch andere Befunde im Darm beleuchtet. Über „Blut im Stuhl - Was kann die Ursache sein" referierte Dr. Hans-Peter Peller. „Darmkrebsvorsorge: gibt es etwas besseres als die Darmspiegelung" war das Thema von Prof. Dr. Norbert Weigert. Über die Frage „Sind Divertikel im Darm gefährlich?" gab Dr. Ulrich Ihle Auskunft. Prof. Dr. Robert Obermaier sprach über „Hämorrhoiden: Wann und wie sollen sie behandelt werden?"

Die Veranstalter - Klinikum St. Elisabeth, Darmzentrum, AOK, Ärztlicher Kreisverband, Kassenärztliche Vereinigung und Volkshochschule - wollen Menschen die Scheu nehmen, über Darmprobleme zu sprechen und Vorsorgeuntersuchungen rechtzeitig in Anspruch zu nehmen. Daher wurde nicht nur in den Vorträgen, sondern auch vor Ort, in der Endoskopie, der Ablauf einer Darmspiegelung erklärt.

Allen über 50 und Menschen mit familiärem Krebsrisiko legen die Ärzte ans Herz: „Vorsorge rettet Leben. Machen Sie mit! Geben Sie dem Darmkrebs keine Chance!" Aus Unwissenheit, Gleichgültigkeit oder Angst werden die Untersuchungen zur Früherkennung allerdings zu wenig in Anspruch genommen - nur von jeder dritten Frau und jedem sechsten Mann. Betroffene verpassen die Chance, die anfangs gutartigen Polypen rechtzeitig zu entdecken und im Zuge einer schmerzlosen Darmspiegelung entfernen zu lassen. Nebenbei kam die wohl mittlerweile wichtigste Frage der Medizin immer wieder auf: „Wer zahlt?" Krankenkassen übernehmen normalerweise ab Mitte 50 die Kosten für Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchungen.

„Das A und O in der Medizin der Zukunft ist die engere Verzahnung der hausärztlichen mit der fachärtzlichen Versorgungsschiene und den Kliniken", betonte Dr. Martin Huber, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes. Als Mitveranstalter begrüßte er vor allem AOK-Direktor Peter Hölldobler, an den er eine „ganz große Bitte" hatte, die Oberbürgermeister Markus Pannermayr unterstützen könnte. In Baden-Württemberg arbeitet die AOK in einem neuen Projekt erfolgreich mit Haus- und Fachärzten beim „Darm-Check 2011" zusammen. Dieses würde Huber gern als Pilotprojekt in Bayern in unserer Region sehen.

OB Pannermayr, selbst schon einmal Patient einer Darmspiegelung, ermutigte in seinem Grußwort, keine falsche Scheu vor der schmerzfreien Untersuchung zu haben:„Überwinden Sie ihren inneren Schweinehund und gehen Sie zur Vorsorgeuntersuchung!"-su-

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