Wenn die Aorta platzt, ist der Tod ganz nah
Gute Nachricht für Patienten mit Gefäßproblemen: Seit kurzem müssen sie für Eingriffe an der Hauptschlagader nicht mehr nach München oder Regensburg fahren. Dank der personellen Verstärkung durch Oberarzt Peter Bitterlich
kann die noch junge Sektion Gefäßchirurgie am Klinikum St. Elisabeth mit Leiter Dr. Christoph Weber diese Lücke im Versorgungsnetz schließen.
Operationen an der Hauptschlagader sind einer der Schwerpunkte der Sektion Gefäßchirurgie. Eine Erweiterung (Aneurysma) der Hauptschlagader (Aorta) tritt vor allem im Bauchbereich auf. Nach Auskunft von Dr. Weber liegt die Häufigkeit dieser Erkrankung bei circa fünf Prozent der über 60-Jährigen. Das heißt, in Niederbayern und der Oberpfalz sind circa 28000 Menschen betroffen. Als Risikofaktoren gelten Arteriosklerose, Bluthochdruck und Rauchen.
Diagnostiziert werden Erweiterungen der Hauptschlagader häufig durch Zufall. Dr. Weber: „Eine normale Ultraschall-Untersuchung des Bauchraums kann es ans Licht bringen." Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie fordert für Männer und Frauen ab 60 Jahren ein Aortenscreening, um erweiterte Bauchschlagadern frühzeitig zu erkennen und die Todesrate zu senken. Heutzutage ermöglichen neue Operationstechniken höchste Sicherheit für den Patienten.
„Erweiterte Bauchschlagadern können für den Betroffenen völlig überraschend von heute auf morgen platzen", sagt Dr. Weber. Dann gehe es um Leben und Tod. Erste Symptome seien plötzliche Bauch- oder Rückenschmerzen, gefolgt von einem mehr oder minder schnell einsetzenden Kreislaufschock. „Fünf Liter Blut sind schnell weg." Viele Menschen mit geplatzter Aorta stürben, bevor sie das Krankenhaus erreichen. Von denen, die in einem Klinikum rasch mit großem Schnitt operiert werden können, überlebt Dr. Weber zufolge nur jeder zweite.
Die Sektion Gefäßchirurgie am Klinikum St. Elisabeth erfüllt die aktualisierten Qualitätsrichtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses für Eingriffe bei Erweiterung der Hauptschlagader: Mit dem neuen Oberarzt Peter Bitterlich ist ein zweiter Gefäßchirurg vor Ort und die Versorgung der Gefäßpatienten rund um die Uhr sichergestellt.
Der 55-jährige Peter Bitterlich machte seine Ausbildung zum Gefäßchirurgen von 2006 bis 2010 bei den Barmherzigen Brüdern in Regensburg. Hier sammelte er auch Erfahrungen mit Eingriffen an der Hauptschlagader. Der gebürtige Dresdener wuchs in der Nähe von Stuttgart auf und studierte in Ulm und Würzburg Medizin. 1994 machte er den Facharzt für Allgemeinchirurgie. Ebenso wie Dr. Weber darf er sich endovaskulärer Chirurg nennen.
Endovaskulärer Eingriff bedeute, so Bitterlich, dass durch zwei kleine Schnitte in der Leiste eine Prothese in das Gefäß geschoben wird, um den erweiterten Bereich zu stabilisieren. Patienten mit geplatzter Hauptschlagader können nur dann endovaskulär behandelt werden, wenn sie kreislaufstabil sind. Endovaskuläre Eingriffe haben den Vorteil für Patienten, wesentlich schonender als konventionelle Operationen zu sein.-urs-









