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Vorboten nicht auf leichte Schulter nehmen

Fragezeichen
Fragen und Antworten

Große Resonanz auf Tagblatt-Telefonaktion zum Thema Schlaganfall und Carotis Vier Mediziner standen unseren Lesern zwei Stunden lang Rede und Antwort

Ungefähr 200000 Bundesbürger erleiden alljährlich einen Schlaganfall. Mehr als ein Viertel der Betroffenen ist unter 65 Jahre alt. Über eine Million Menschenleben mit körperlichen Behinderungen als Folge dieser Erkrankung. Grund genug, den Schlaganfall und eine der häufigen Ursachen - eine Carotisstenose, die Verengung der Halsschlagader - zum Thema einer Telefonaktion zu machen. Gefäßchirurg Dr. Christoph Weber, Radiologe Dr. Hannes Häuser, Angiologe Dr. Andreas Krichbaum und Neurologe Dr. Carsten Isenberg beantworteten unseren Lesern am Dienstagabend zwei Stunden lang Fragen rund um das Thema. Hier eine Auswahl der interessantesten Fragen und Antworten.

Wie soll man im Falle eines Schlaganfalls reagieren?

Warten Sie keinesfalls ab, ob es besser wird. Rufen Sie sofort einen Notarzt, der Sie in ein Krankenhaus bringt, am besten eines mit Stroke Unit (Schlaganfalleinheit). Je früher eine Behandlung einsetzen kann, umso größer ist die Chance, Ausfallerscheinungen in Grenzen zu halten. Vorübergehende Sehstörungen, Sprachstörungen oder Lähmungen, selten plötzliche heftige Kopfschmerzen oder Schwindelanfälle können Alarmsignale sein. Man sollte sie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sie müssen dringend medizinisch abgeklärt werden. 

Was sind Risikofaktoren für einen Schlaganfall und was kann man zur Vorbeugung tun? 

Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), erhöhte Blutfette, Übergewicht, familiäre Vorbelastung, Rauchen, Nierenerkrankungen. Diese Faktoren sollte man unbedingt in Griff bekommen. Weitere Ursachenkönnen vom Herz herrühren oder von einer Verengung der Halsschlagader (Carotisstenose). 

Wie kann man eine Verengung der Halsschlagader feststellen? 

Eine einfache und nicht belastende Untersuchung ist der Gefäßultraschall, mit dem Veränderungen der Gefäßwand sehr gut dargestellt werden. Je nach Ergebnis können dann weitere Untersuchungen oder Behandlungen geplant werden. 

Kann man eine Verengung der Halsschlagader mit Medikamenten behandeln?

Die medikamentöse Therapie ist sehr wichtig. Vor allem leichtgradige Verengungen können auch nur mit Tabletten behandelt werden. Aber auch nach einer Operation oder interventionellen Behandlung ist eine langfristige medikamentöse Therapie nötig. 

Ist in Straubing eine Operation an der Halsschlagader möglich und wie geht das vor sich? 

Am Klinikum gibt es alle Möglichkeiten für Operationen der Halsschlagader bis hin zum Aufdehnen mit Stent. Bei einer höhergradigen Einengung der Halsschlagader und Symptomen einer vorübergehenden Durchblutungsstörung des Gehirns sollte eine Operation an der Halsschlagader erfolgen. Ansonsten droht ein Schlaganfall innerhalb der nächsten Wochen oder Monate. Auch ältere Patienten profitieren davon. Die Operation findet unter Vollnarkose statt. Die Halsschlagader wird über einen kleinen Schnitt am Hals freigelegt und anschließend die Engstelle ausgeschält. Während der Operation wird über bestimmte Messungen kontinuierlich kontrolliert, um Durchblutungsstörungen des Gehirns rechtzeitig zu erkennen. Am Ende wird eine Gefäßdarstellung mit Kontrastmittel (Angiographie) oder Gefäßultraschall durchgeführt, um das Ergebnis sicher überprüfen zu können. Insgesamt handelt es sich um einen unkomplizierten Eingriff, der vor den schlimmen Folgen eines Schlaganfalls bewahren kann. Eine Operation ist aber nur ein Teil der Therapie. Grundsätzlich sind alle anderen Erkrankungen und Risikofaktoren für Arterienverkalkung einzustellen beziehungsweise medikamentös zu behandeln. 

Wie funktioniert eigentlich eine Stentbehandlung an der Halsschlagader und wer macht das? 

Der Eingriff wird, vergleichbar zur Herzkatheteruntersuchung, in örtlicher Betäubung über die Leistenarterie durchgeführt. Von dort aus wird die Engstelle an der Halsschlagader aufgedehnt und mit einem Stent (Drahtgeflecht) überbrückt. Dieser dient als Stütze im Gefäß von innen. Der Stent wird von einer neuen „Gefäßhaut" umkleidet. Es erfolgt dabei keine Operation an der Halsschlagader von außen. Der Eingriff wird von Radiologen mit spezieller Ausbildung unter Durchleuchtung (Röntgen) durchgeführt. In Straubing ist der Eingriff seit 2005 am Klinikum in der Klinik für diagnostische und interventionelle Radiologie möglich. 

Ich habe schon dreimal einen leichten Schlaganfall gehabt. Muss ich das Medikament zur Blutverdünnung immer nehmen?

Ja, denn die Medikamente verhindern die Gefahr der Blutgerinnselbildung und damit die Gefahr der Embolie und verbessern die Blutfließeigenschaften im Gehirn. 

Ich hatte eine Hirnblutung. Sie kündigte sich mit Taubheit im Fuß an. Ich habe selbst den Notarzt gerufen. Kann man eine Hirnblutung operieren? 

Hirnblutungen operiert man, wenn die Blutung für den Patienten lebensbedrohlich wird. Kleinere Blutungen behandelt man konservativ, da die Operation zusätzliche Schäden am Gehirn bewirken könnte. 

Ich habe nach einem Schlaganfall noch Kopfschmerzen und Schwindel. Geht das irgendwann weg? 

Leider bleiben Kopfschmerzen nach Hirnverletzungen - ob Schlaganfall, Blutung, Trauma - oft lange bestehen. Im Lauf der Zeit mindern sich aber die Beschwerden. Wichtig ist, die durch den Schlaganfall betroffenen Funktionen zu üben, zum Beispiel Konzentration, Bewegung. 

Mein Ehemann hatte vor fünf Wochen einen schweren Schlaganfall. Noch immer hat er Sprach- und Schluckstörungen sowie eine Schwäche in der Hand. Was kann man tun? 

Wichtig ist, die Behandlung nach der stationären Reha ambulant fortzusetzen. Bei Sprach- und Schluckstörungen sollte unbedingt ambulant eine logopädische Behandlung regelmäßig erfolgen. Die Schwäche in der Hand kann durch ambulante Ergotherapie weiter verbessert werden. Die Behandlung muss regelmäßig und über einen längeren Zeitraum erfolgen.-mon-
Quelle: SR-Tagblatt

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