Überaktivität der Blase bei Querschnittslähmung
Die derzeitige Standardtherapie dieser Blasendysfunktion bei Querschnittpatienten ist die orale Einnahme anticholinerger Substanzen sowie das Entleeren der Blase durch intermittierenden Selbstkatheterismus. Eine ausreichende Relaxation des Detrusors und somit eine Steigerung der Kontinenz der Patienten wird durch die orale anticholinerge Medikation häufig nur unzureichend erreicht. Ferner treten bei vielen Patienten erhebliche systemische Nebenwirkungen wie Sehstörungen und Mundtrockenheit auf.
Eine Alternative zur anticholinergen Therapie und zur chirurgischen Deafferentation ist die 1999 erstmals vorgestellte Injektion von Botulinumtoxin in den Harnblasenmuskel (Detrusor) zur Therapie der neurogenen überaktiven Blase bei Patienten mit einem traumatischem Querschnitt. Wurde Botulinumtoxin anfangs nur bei Patienten mit einer Resistenz und Unverträglichkeit gegen anticholinerge Medikamente eingesetzt, so wird mittlerweile Botulinumtoxin immer häufiger in vielen Zentren Europas angewendet. Die Therapie beinhaltet die Injektion von 300 IE Botox in den glattmuskulärer Detrusor diese werden zystoskopisch mit Hilfe einer feinen Nadel unter Aussparung des Trigonums über die Blase verteilt. Die Wirkung einer einmaligen Injektion des Toxins in den Detrusor hält bis zu 12 Monate.
Trotz des etablierten Einsatzes von Botulinumtoxin in der klinischen Praxis liegen bislang wenig bis keine Daten über die strukturellen Auswirkungen und Folgen der Toxininjektionen auf die Detrusormuskulatur und das eingebettete Nervengewebe vor. Ziel ist die Untersuchung der ultrastrukturellen und strukturellen Veränderungen des Harnblasenmuskels unter der Therapie mit Botulinumtoxin bei Querschnittpatienten sowie die weitere Erforschung des zugrundeliegenden Wirkmechanismus der oftmals repetitiv durchgeführten Behandlungen.
Diagnostik
Blasendruckmessung (Video-Urodynamik)
Grundlage der kompetenten Behandlung einer Blasenschwäche (Harninkontinenz) oder einer neurogenen Blase ist die exakte Diagnose der Fehlfunktion von Blase und/oder Schließmuskel. Mit der Video-Urodynamik können Speicher- und Entleerungsstörungen des unteren Harntrakts differenziert beurteilt werden. In Kombination mit einer digitalen Röntgenanlage wird die evt. notwendige Strahlenbelastung auf ein Minimum reduziert, ein besonders für die Kinderurologie wichtiger Punkt.







