Prof. Dr. Robert Obermaier mit Festakt als Chefarzt am Klinikum St. Elisabeth Straubing eingeführt.
Routine-Operationen gibt es nicht
Im Kreis von annähernd 200 geladenen Gästen aus Medizin und öffentlichem Leben, musikalisch umrahmt von Thomas Anleitner und Co, versicherte der neue Chefarzt, er werde „sein Allerbestes geben" und in Straubing „modernste und sichere Spitzenmedizin" anstreben. Sympathie erntete er mit seiner Aussage, Routine-Operationen gebe es nicht, denn jeder Eingriff erfordere höchste Sorgfalt.
Pater Provinzial Emerich Steigerwald als Vertreter des Trägers des Klinikums bestätigte, Prof. Obermaier habe durch seine fachliche, soziale, ethische und spirituelle Kompetenz - letzteres sei eine lebenslange Aufgabe - überzeugt. Er hieß ihn in der Familie des Ordensgründers Johannes von Gott willkommen und lud ihn ein, sich im Team des Hauses mit dem Ziel bestmöglicher Arbeit für den Patienten auf den Weg zu machen - mit klarem Kompass ökonomischen Zwängen zum Trotz.
Bürgermeister Hans Lohmeier sprach den Barmherzigen Brüdern als investitionsfreudigem Träger des Klinikums seine Hochachtung aus. Das Haus habe einen guten Ruf, sonst wäre Obermaier wohl auch nicht nach Straubing gekommen. An der Entscheidung sei dessen Frau maßgeblich beteiligt, „denn die Frauen suchen das Nest aus". Da es statistisch 16 Jahre dauere, bis man Bayerisch beherrsche, habe Obermaier guten Grund, lange in Straubing zu bleiben, spielte er auf dessen drei in Freiburg im Breisgau aufgewachsene Söhne Alexander (11), Benedikt (8) und Valentin (4) an. Gleichzeitig versicherte er dem Oberbayern Obermaier schmunzelnd, „Niederbayern ist nicht unten, es heißt nur so".
Eine Deutschlandreise
Da muss er allerdings keine Überzeugungsarbeit leisten. Obermaier ist gerne hierher gekommen. Seine berufsbedingte „Deutschlandreise" von München über Rostock und Freiburg im Breisgau zeichnete Laudator Klinikum-Geschäftsführer Dr. Christoph Scheu nach. Obermaier habe ein hartes Auswahlverfahren absolviert. Als Oberarzt an der Uniklinik in Freiburg sei er die rechte Hand des Chefs gewesen und habe Anteil am excellenten Ruf dieses Insituts. Seine Domäne auch in Straubing sei die Tumorchirurgie.
Er fühle sich hier bereits sehr wohl, lobte Prof. Obermaier das menschliche Klima und die technische Ausstattung am Klinikum und nicht zuletzt die bayerische Mentalität und Sprache um ihn herum, die er so lange vermisste. Seiner Frau Ulrike, eine Hebamme und ebenfalls gebürtige Altöttingerin, dankte er dafür, dass sie die Entscheidung mittrug. Die drei Söhne hätten bereits Lederhosen bekommen und freuten sich aufs Gäubodenvolksfest.
Als berufliches Credo nannte er, in Kooperation mit den anderen Fachbereichen modernste chirurgische Verfahren bis hin zur Highend-Chirurgie in Straubing fortzuführen und weiterzuentwickeln und sich in Qualität und Sicherheit für den Patienten „mit den besten Standorten zu messen". Jeder geeignete Patient solle in den Vorteil kleiner Schnitte dank Schlüsselloch-Chirurgie kommen.
Wichtig sei ihm der enge Kontakt zu den Patienten-Angehörigen sowie niedergelassenen Ärzten. Gemäß seinem Leitspruch, einem Zitat des Chirurgen Ambroise Paré aus dem 16. Jahrhundert, „Der Arzt verbindet die Naht, Gott heilt sie", ist er der Auffassung, ein bisschen Demut stehe bei allem Fortschritt auch heutigen Chirurgen an.
Blick 300 Jahre zurück
Zu einem Blick zurück, wie Obermaiers Berufskollegen vor 300 Jahren arbeiteten, lud Festrednerin Privatdozentin Dr. Marion Ruisinger vom Deutschen Medizinhistorischen Museum Ingolstadt ein. Sie beleuchtete das Leben von Lorenz Heister, „Vater der akademischen Chirurgie in Deutschland" und Verfasser eines 1719 erschienenen bahnbrechenden Lehrbuchs. Er wirkte zu einer Zeit, als die Internisten am angesehensten waren und die Chirurgen als Handwerker galten. In der Regel gingen sie bei einem fahrenden Chirurgen oder Bader in die Lehre und an Universitäten wurde Chirurgie nur in der Theorie gelehrt.
An die Bauch-Chirurgie habe sich zu Heisters Zeit keiner gewagt, wohl aber an den Starstich, Steinschnitt, Eingeweidebrüche, Amputationen und Kopfbohrung. Betäubung sei bei Operationen aus Angst vor dem Verlust des bewusstlosen Patienten nicht verwendet worden. Deshalb habe es zu den ersten Qualitäten eines guten Chirurgen gehört, dass er sich vom Schreien des Patienten nicht beeirren lasse und ihn so kurz als möglich dem Schmerz aussetze. Schlüsselloch-Chirurgie 300 Jahre später hätte sich Lorenz Heister jedenfalls nicht träumen lassen.








