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Neuer Chefarzt Prof. Dr. Obermaier im Klinikum St. Elisabeth Straubing

Chefarzt Prof. Dr. Obermaier im Operationssaal am Klinikum Straubing
Chefarzt Prof. Dr. Obermaier im Operationssaal am Klinikum Straubing

„Der Arzt verbindet die Naht, Gott heilt sie"

Im Gespräch mit Prof. Dr. Robert Obermaier. Seit 1. April neuer Chefarzt am Klinikum Straubing - Faible für minimalinvasive OP-Techniken

Von M. Schneider-StranningerKlinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie heißt die Abteilung am Klinikum St. Elisabeth, die Prof. Dr. Robert Obermaier seit 1. April leitet. Ein Zungenbrecher. Der neue Chefarzt hat dennoch einen weiteren Zusatz angefügt: „...und für minimalinvasive Chirurgie". Das Operieren mit ganz kleinen Schnitten und filigranen Endoskopbestecken sowie Lupenbrille ist sein Faible. Er ist überzeugt, dass dieser OP-Technik, bei der Patienten wieder sehr rasch auf die Beine kommen, die Zukunft gehört, wenn sie auch künftig nicht für jedermann geeignet sein wird. Umso wichtiger ist dem 42-Jährigen das erklärende Gespräch mit dem Patienten, denn ein Chirurg hat wider das Klischee nicht erst im Operationssaal mit dem Kranken zu tun. Wir sprachen mit ihm über seinen Eindruck von Straubing, vom Klinikum und über das beängstigende Gefühl, dass Krebs auf dem Vormarsch ist.

Als gebürtigem Altöttinger sei ihm Straubing ein Begriff, sagt Prof. Dr. Robert Obermaier, der seit 2001 an der Universitätsklinik Freiburg im Breisgau - zuletzt als Erster Oberarzt der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie - und von 1997 bis 2001 an der Chirurgischen Universitätsklinik Rostock tätig war. Das Klinikum St. Elisabeth, ein Schwerpunktkrankenhaus knapp an der Grenze der Maximalversorgung, habe bundesweit einen sehr guten Ruf und die Barmherzigen Brüder seien sehr investitionsbereite Krankenhausträger.

Umso mehr freut er sich, dass es mit seiner Chefarzt-Position in Straubing geklappt hat. „Ich habe mir seit langem gewünscht, an einer bayerischen Klinik Chefarzt zu werden", sagt er. Chancen auf Straubing habe er sich nicht unbedingt ausgerechnet, zumal es hier mit Privatdozent Dr. Strik und Dr. Krenz sehr junge Chefärzte gegeben habe. „Das Bessere ist des Guten Feind", umschreibt er, dass die beiden Kollegen, denen ein sehr guter Ruf vorauseile, Straubing nach relativ kurzer Zeit wieder Richtung Berlin beziehungsweise München verließen. Er selber hat vor, das versichert er hoch und heilig, lange zu bleiben. „Ich lebe gerne in einer Stadt dieser Größe." Straubing habe kulturell viel zu bieten und lasse schulisch keine Wünsche offen. Er fühlt sich als Bayer zuhause angekommen. Er und seine Frau hoffen, viele neue Freunde zu finden und wünscht sich auch, dass die drei Söhne Alexander, Benedikt und Valentin - elf, acht und drei Jahre alt - bayerisch lernen.

Warum er Arzt geworden ist? Naturwissenschaftlich interessiert sei er schon immer gewesen, sagt er und seine Entscheidung, Medizin zu studieren, habe sein Zivildienst im Rettungsdienst nur bestätigt. Für die Chirurgie habe er sich im Praktischen Jahr entschieden. Die meisten Patienten kämen mit einem konkreten Problem, das man mit einer Operation aus der Welt schaffen könne. Das sei sehr befriedigend. Allerdings sei die Chirurgie auch eine gefährliche Sparte. Es könne viel passieren, weil eben nicht jeder Mensch gleich sei, es gebe Unwägbarkeiten, die belastend seien und die man auch mit nach Hause nehme. „Der Arzt verbindet die Naht, Gott heilt sie" ist sein Leitsatz, ein Zitat von Ambroise Paré, französischer Berufskollege aus dem 16. Jahrhundert.

„Reden, reden, reden"

Umso wichtiger ist ihm die Kommunikation mit Patienten und Angehörigen im Vorfeld der Operation. Und auch danach. Obermaier hat auch eine Ausbildung als Notfall- und Intensivmediziner. „Reden, reden, reden", habe sein Lehrer an der Uni München den angehenden Ärzten gepredigt. Schließlich leuchte es einem Patienten nicht unbedingt ein, dass er wenige Stunden nach einer Operation bereits aus dem Bett geholt wird, ein paar Schritte gehen soll, bald ein komplettes Essen statt Pudding oder Kartoffelbrei auf den Tisch bekommt... Fast Track-Chirurgie nennt sich das, ausgerichtet auf ein möglichst rasches Wieder-auf-die-Beine-kommen.

Spannend findet Obermaier, der außerplanmäßiger Professor an der Albert-Ludwigs Universität Freiburg im Breisgau ist, die jüngsten Entwicklungen in der minimalinvasiven Chirurgie. Mittlerweile werde statt durch vier kleine Schnitte oft nur mehr durch einen Schnitt im Nabel operiert, zum Beispiel bei Gallen-OP, Leistenbruch oder Blinddarm. Unter „Notes" verstehe man Operationen ohne Schnitt, sondern durch natürliche Körperöffnungen hindurch.

Lebensqualität erreichen

Den Eindruck des Laien, dass Krebs immer mehr zunehme, relativiert er. Die Gesellschaft werde immer älter, insofern nähmen Erkrankungen wie Krebs zu. Andererseits könne unsere Lebensweise nicht so schlecht sein wie sie oft gescholten werde, sonst würden wir nicht so alt. Viele über 80-Jährige seien heute so topfit, dass man Operationen durchführe, die man früher bei Menschen dieses Alters nicht mehr riskiert hätte. Mit der Zunahme von Krebs gingen Erfolge der Früherkennung und Behandlung einher, so dass in sehr vielen Fällen trotz Krebs die Lebensqualität nicht schwinde.

Als Chefarzt hat er sich vorgenommen, die minimalinvasiven OP-Techniken weiter auszubauen, insbesondere im Bereich Leber und Schilddrüse und in Straubing noch mehr große Tumoroperationen durchzuführen. Er setzt dabei auf menschlich wie medizinisch kompetente Mitarbeiter und Kollegen. Für den nötigen Ausgleich sorgt die Familie, der Obermaiers ganze Freizeit gehört. Gerne feuert er die Söhne beim Hockey und Fußball an und verreist nach Griechenland und ins Salzburger Land. Erst einmal muss zum Schuljahresende der Umzug bewerkstelligt werden, Obermaier hat mit seiner Frau, die von Beruf Hebamme ist und übrigens auch aus Bayern stammt, bereits ein passendes Haus gefunden. „Und die Buben freuen sich schon aufs Gäubodenvolksfest."  SR-Tagblatt vom 11.05.2010

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