Muskelinvasiver Blasentumor
Urothelkarzinome, die zum Zeitpunkt der endoskopischen Operation bereits tiefer in das Gewebe vordringen oder bei oberflächlicher Ausdehnung an mehreren Stellen sitzen, können häufig nur durch eine operative Entfernung der Blase geheilt werden.Andernfalls wäre die Gefahr einer Streuung in Lymphknoten und andere Organe sehr hoch. Die Behandlung eines fortgeschrittenen Tumors der Harnblase kann in der Urologischen Klinik im Klinikum Straubing durch eine Kombination aus offener und minimal-invasiver Operationstechnik mit Hilfe des Da Vinci-Systems besonders genau und schonend durchgeführt werden. Dabei wird sorgfältig auf die ausgedehnte Entfernung eventuell befallener Lymphknoten geachtet. So erreichen wir mit größtmöglicher Sicherheit eine komplette Entfernung des Tumors. Diese radikale Form der Tumorchirurgie ermöglicht die bestmögliche Aussicht auf Heilung
Die Behandlung des muskelinvasiven Blasentumors, der noch nicht gestreut hat, besteht in der Regel in der vollständigen Entfernung der Harnblase und der Lymphknoten dieser Region. Beim Mann wird auch die Prostata mitentfernt. Die Funktionen der Blase müssen nach ihrer Entfernung in demselben Eingriff für den Patienten möglichst optimal ersetzt werden.
Dazu wird in den meisten Fällen ein Reservoir aus Darm gebildet, das die Urinspeicherung übernimmt. So ist eine Beutelversorgung vermeidbar und der Patient kann völlig unbeeinträchtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Die aus Darm neu gebildete Blase wird idealerweise an die Harnröhre angeschlossen. Dieses Verfahren bezeichnet man als orthotopen Blasenersatz. So können Patienten postoperativ wieder auf normalem Weg urinieren.
Ist dagegen auch die Harnröhre von Tumor befallen, ist ein Blasenersatz an derselben Stelle nicht möglich. In dieser Situation stehen mehrere Optionen zur Verfügung:
- Kontinenter Pouch mit kutanem Nabelstoma: Es wird eine Darmersatzblase gebildet, die über ein im Nabel verstecktes, natürliches Ventil mehrmals täglich mit Hilfe eines Katheters entleert werden kann.
- Inkontinente Harnableitung mittels Conduit: Aufgrund der kürzeren Operationsdauer kann bei älteren Patienten oder eingeschränktem Gesundheitszustand in bestimmten Fällen ein künstlicher Ausgang mit an der Haut festgeklebtem Beutel eine sinnvolle Lösung darstellen.
Insgesamt handelt es sich bei Entfernung und Ersatz der Harnblase um aufwendige und technisch anspruchsvolle Operationen. In der Urologischen Klinik im Klinikum Straubing werden diese Operationsverfahren für den Blasenersatz bei Patienten aller Altersgruppen - vom Kleinkind bis ins hohe Erwachsenenalter - durchgeführt. Hierbei bestehen enge interdisziplinäre Kooperationen vor allem mit der Pädiatrie, Gynäkologie und der Chirurgie. Entsprechend den häufig sehr komplexen Situationen, in denen sich unsere Patienten befinden, ist die Art des Blasenersatzes nicht auf eine Technik oder bestimmte Darmsegmente beschränkt. Die Wahl der Harnableitung orientiert sich vielmehr einerseits am intensiven Gespräch mit dem Patienten und seinen Angehörigen. Andererseits steht die individuelle Gesamtsituation des einzelnen Menschen im Vordergrund. Viele andere Faktoren, wie beispielsweise der Allgemeinzustand, die Nierenfunktion und die Kontinenzsituation vor dem Eingriff fließen als zusätzliche Faktoren in den Entscheidungsprozess mit ein. Ebenso individuell auf die Situation des einzelnen Patienten ausgerichtet gestaltet sich die Wahl der verwendeten Darmabschnitte, aus denen die Blase neu angelegt wird. Vorzugsweise wird hierbei Dünndarm verwendet. Voroperationen oder -bestrahlungen können Gründe dafür sein, andere Darmsegmente auszuwählen.
Untersuchungen zur Lebensqualität nach Blasenersatz zeigen sehr deutlich, dass Patienten, die sich für eine solche Behandlung entscheiden, in der Regel sehr zufrieden sind. Die Aussicht auf eine erfolgreiche Heilung von der Krebserkrankung wiegt die Beschwerlichkeiten des Eingriffs bei weitem auf!







