Mit rollender Klinik zu den Patienten
Anita Malterer vom Klinikum St. Elisabeth Straubing als
„Ärztin für die Dritte Welt" auf Philippinen
Patienten unter freiem Himmel zu behandeln - vor den Augen der Wartenden - ist für die „German Doctors" der „Rolling Clinic" ganz normal. Anita Malterer, Ärztin am Klinikum St. Elisabeth Straubing, hat sich schnell daran gewöhnt. Sieben Wochen lang war sie für „Ärzte für die Dritte Welt", so die offizielle Bezeichnung der „German Doctors", auf den Philippinen im Einsatz. Zunächst in einem Krankenhaus der Organisation und später auch bei Touren mit der rollenden Klinik in kleine, abgelegene Dörfer im Landesinneren.
Dass sie ihren Arbeitsplatz im Klinikum Straubing - hier ist die 37-Jährige Leitende Ärztin in der Notaufnahme - für einige Zeit gegen eine rollende Klinik tauschen würde, stand für Anita Malterer schon länger fest. Dass es so schnell geht, hätte sie aber nicht gedacht, als sie sich im April bewarb. Da jemand abgesprungen war, und sich auch Dr. Christoph Scheu, der Geschäftsführer des Klinikums Straubing, kulant zeigte und ohne Zögern sein Okay gab, konnte die Straubinger Ärztin schon Mitte Juli ihren Einsatz auf den Philippinen beginnen. Für diese sieben Wochen opferte sie ihren gesamten Jahresurlaub und nahm weitere zwei Wochen unbezahlten Urlaub.
Nach einem Zwischenstopp mit Übernachtung in Manila ging es weiter nach Cagayan De Oro, der Hauptstadt von Mindanao. Diese Insel ist kein klassisches Urlaubsziel, es gibt sogar eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Europäer „mit ihren schönen großen Nasen", wie die Filipinos sagen und sie meinen das durchaus als Kompliment, sind hier Exoten. So musste Anita Malterer ihren Fahrer auch nicht lange suchen, er hatte sie unter all den Filipinos sofort erkannt und setzte sie in den Linienbus nach Valencia.
Etwa dreieinhalb Stunden dauerte die Fahrt ins Landesinnere zum Krankenhaus der „Ärzte für die Dritte Welt". Dort arbeitete die Ärztin zwei Wochen lang. „Das war gut, um mich zu akklimatisieren und an die anderen Krankheitsbilder zu gewöhnen", erzählt Anita Malterer, die vor ihrer Reise bereits einen Kurs in Tropenmedizin absolviert hatte. Anders als in Deutschland sind auf den Philippinen Scabies (Milbenbefall), Wurmbefall, Hautkrankheiten und TBC weit verbreitet.
Nach diesen 14 Tagen ging es zurück nach Cagayan De Oro ins „German Doctors Hospital". Dort wohnte die Ärztin gemeinsam mit anderen deutschen Kollegen im „Doctors House". Dieses Haus, das der Organisation „Ärzte für die Dritte Welt" gehört, ist gemauert, hat Betten und fließendes Wasser - alles nicht selbstverständlich auf den Philippinen.
Zwei Zehn-Tages-Touren
Von Cagayan De Oro aus brach Anita Malterer zu ihren zwei Touren mit der rollenden Klinik auf. Diese dauerten jeweils zehn Tage. Mit dem Jeep ging es in unwegsame Gebiete und entlegene Dörfer. Die Unterkünfte waren einfach, einmal war sie im Privathaus einer Krankenschwester, die bei dem Projekt mitarbeitet, untergebracht. Wie die gesamte Familie schlief auch die deutsche Ärztin auf dem Boden. Da es in den meisten Häusern in den ländlichen Regionen kein fließendes Wasser gibt, ist es für die Menschen ganz normal, sich im Freien auf dem Dorfplatz zu waschen, die Kleidung wird dabei allerdings anbehalten.
Begleitet wurde Anita Malterer bei beiden Touren zu den Ärmsten der Armen von einem deutschen Zahnarzt, zwei philippinischen Krankenschwestern und einem Fahrer, der gleichzeitig Zahnarzthelfer war. Die Kommunikation im Team erfolgte auf Englisch.
Ambulante Sprechstunde
Bevor die ambulante Sprechstunde beginnen konnte, war erst einmal Improvisation gefragt. Kirche, Schule, Gesundheitszentrum oder Privathaus, alles wurde kurzerhand in ein Sprechzimmer umfunktioniert und wenn es gar nicht anders ging, behandelten die Straubinger Ärztin und ihr Kollege auch unter freiem Himmel. Sehr zur Freude der Dorfbewohner, für die die „Rolling Clinic" - die je nach Region alle sechs Wochen oder nur jedes halbe Jahr kommt - ein richtiger Event ist. Zur rollenden Klinik gehört auch eine Apotheke, in der sich die Dorfbewohner mit Arzneien - vor allem Antibiotika werden benötigt -, aber auch mit Zahnpasta und Kondomen versorgen können. Behandlung und Medikamente zur Heilung sind für die Patienten kostenlos.
Nie ohne „Blue Card"
Um von den „German Doctors" behandelt zu werden, benötigt jeder Patient aber eine „Blue Card", vergleichbar mit einer Patientenkartei beim Hausarzt. Diese Karte ist gegen eine geringe Gebühr erhältlich und muss bei Folgebehandlungen mitgebracht werden. Zwei Drittel der Menschen, die Anita Malterer in den philippinischen Dörfern behandelt hat, waren Kinder. Die meisten von ihnen litten an Hauterkrankungen oder Atemwegsinfektionen, die in der Regenzeit häufig auftreten. Auch die Kochstellen in den Häusern tun da ihr Übriges. Bei den Erwachsenen handelte es sich überwiegend um die klassische Hausarztklientel, wie beispielsweise Patienten mit Rückenschmerzen oder kleineren Verletzungen. Typische Wohlstandskrankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck sind auf den Philippinen eher selten.
Mit vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen kehrte Anita Malterer nach Deutschland zurück. Gefragt nach ihrem schlimmsten Erlebnis erzählt sie von einem vierjährigen Kind, dem die Ärzte nicht mehr helfen konnten und das letztendlich an Wurmbefall gestorben ist. Ihre Entscheidung, den Ärmsten der Armen wenigstens für einige Zeit zu helfen, hat sie keinen einzigen Tag bereut.-ab-
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