Meditative Zeitreise - Geistliche Abendmusik im Klinikum St. Elisabeth
Ein Instrument begeisterte durch seinen wunderbaren Klang sowohl die Besucher des geistlichen Abendkonzerts im Klinikum St. Elisabeth als auch die via Übertragung zugeschalteten Patienten in den Krankenzimmern: die Viola da Gamba, gespielt von einem wahren Meister auf diesem Instrument: Fred Flassig! Mit Franz Schnieringer an der Orgel war es Brigitte Messerschmitt, Vorsitzende des Vereins der Freunde des Klinikums St. Elisabeth, gelungen, ein hochkarätiges Duo zu engagieren.
Interessant und auf hohem Niveau war das Programm dieses Abends: Spanische Musik des 16. Jahrhunderts. Die Auswahl von Stücken gerade aus dieser Zeit kam nicht von ungefähr, feierte der Orden der Barmherzigen Brüder diese Woche doch seinen Begründer, den Spanier Johannes von Gott, und dieser lebte in der Zeit, als diese Musik entstand. Bekanntester Komponist des Abends war sicher Antonio de Cabezón, welcher auch Cembalist und Organist am Hofe von Kaiser Karl V. und später bei Kaiser Philipp II. war. Seine Werke für Orgel, meisterhaft gespielt von Franz Schnieringer, zeichnen sich durch die innige Verbindung von Lebendigkeit und meditativen Momenten aus. Wenig bekannt dürfte sein, dass Cabezón während eines Aufenthalts seines Dienstherrn Kaiser Philipps II. in London wesentlich zum Erblühen der Virginalkunst in England beitrug. Die enge Verbindung zur damals führenden flandrisch-niederländischen Musikszene ist unüberhörbar. Mit Werken des Zeitgenossen von Cabezón, Diego Ortiz, geboren in Toledo, später in Neapel, der auch ein Gambenschulwerk schrieb, gelang es Franz Schnieringer und Fred Flassig, die Hörer meditativ in die Musikwelt der Zeit des Johannes von Gott eintauchen zu lassen.
Den spirituellen Hintergrund schuf Kranknehausseelsorger Pfarrer Hubert Panhölzl. In seinen verbindenden Worten zwischen den Musikstücken ging Pfarrer Panhölzl auf die Grundanliegen von Johannes von Gott ein, welcher durch seine Ordensgründung die Pflege vor allem psychisch Kranker revolutionierte. Diese sind kurz zusammengefasst: Zuwendung statt Abgrenzung, Nähe zu den Kranken statt Distanz, alles unter der Prämisse der Nächstenliebe.
Quelle: Straubinger-Tagblatt vom 15.11.2011 von Theodor Auer








