Hoffnung bei fortgeschrittener Schaufensterkrankheit
Dr. Häuser: „Wir geben Ihren Fuß nicht auf"
Klinikum St. Elisabeth erweitert Spektrum um innovative Behandlungsmethoden
Der 55-jährige Herr Meier bummelt mit seiner Frau über den Stadtplatz. Schmerzen im Oberschenkel zwingen ihn plötzlich zu einer Gehpause. Vor einem Schaufenster fällt das gar nicht auf. Die Beschwerden verschwinden rasch und Herr Meier geht weiter. Der Volksmund spricht treffend von Schaufensterkrankheit. Dr. Hannes Häuser, Chefarzt der Klinik für diagnostische und interventionelle Radiologie am Klinikum St. Elisabeth Straubing, führt seit kurzem zwei neue, viel versprechende Eingriffe durch, die das Blut wieder fließen lassen, die Schmerzen lindern, die Mobilität verbessern und eine Amputation verhindern können.
Die Schaufensterkrankheit oder periphere arterielle Verschlusskrankheit - sie befällt vor allem die Beine - ist weit verbreitet. Bei den über 55-Jährigen leidet jeder Fünfte daran. „Es betrifft uns alle - früher oder später. Wenn wir älter werden, verändern sich die Gefäße", bringt es Dr. Häuser auf den Punkt. Die Ursache für die schlechte Durchblutung der Beine ist fast immer Arterienverkalkung.
Wer etwas gegen Gefäßerkrankungen - und damit auch gegen Herzinfarkt und Schlaganfall - tun möchte, sollte gegen die Risikofaktoren kämpfen. Dazu zählen Diabetes, Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung und Nierenerkrankungen.
Die Schaufensterkrankheit beginnt oft unbemerkt. Später hat der Betroffene Schmerzen in Oberschenkel, Gesäß, Wade oder Fuß, nachdem er eine längere Strecke zu Fuß gegangen ist. Die Muskeln erhalten nicht genügend Sauerstoff. Mit Fortschreiten der Krankheit treten die Schmerzen nach immer kürzeren Wegen auf - dann auch im Ruhezustand. Offene Beine, absterbendes Gewebe und im schlimmsten Fall die Amputation von Zehen, Fuß oder gar eines ganzen Beins können folgen. „Derzeit werden jährlich in Deutschland etwa 45000 Amputationen durchgeführt", sagt Dr. Häuser.
Die Zahl sei so hoch, weil die Krankheit oft sehr spät erkannt wird. Der Chefarzt: „Viele Patienten glauben, dass ihre Symptome zum Älterwerden gehören und wenden sich nicht an einen Arzt." Gerade bei fortgeschrittener Schaufensterkrankheit seien die neuen, noch wenig verbreiteten Behandlungsmethoden Atherektomie und extreme vaskuläre Intervention hoffnungsvolle Alternative zur Amputation. Seit knapp zwei Jahren führt Dr. Häuser diese Spezialtherapien am Klinikum durch. Es handelt sich dabei um Katheterverfahren in Schlüssellochtechnik, für die eine örtliche Betäubung in der Leistengegend genügt. Beide Eingriffe ersetzen häufig eine Operation.
Atherektomie bedeutet, Ablagerungen im Gefäß mit speziellen Kathetern herauszuschneiden, erklärt der Chefarzt, der Trainer auf diesem Gebiet ist. Die Methode eignet sich vor allem für Gefäße im Bereich des Oberschenkels und der Kniekehle, wo keine Gefäßstützen (Stents) eingesetzt werden können.
Die extreme vaskuläre Intervention zielt auf sehr kleine Gefäße am Unterschenkel bis in die Fußsohle ab. Mit Hilfe von Mikroballons werden verengte oder verstopfte Gefäße geweitet, damit das Blut wieder fließen kann.
Die Entscheidung für die optimale Therapie des jeweiligen Patienten wird fachübergreifend getroffen. Die interventionelle Radiologie arbeitet eng mit der Gefäßchirurgie, dem Angiologen und andern Abteilungen im Klinikum sowie den niedergelassenen Ärzten zusammen.









