Harninkontinenz steckt noch in der Tabuzone
Die Urologische Klinik am Klinikum St. Elisabeth hatte das Symposium im Rahmen der weltweiten Kontinenzwoche veranstaltet. Wir sprachen mit Dr. Christian Gilfrich, Chefarzt der Urologischen Klinik, über Risikofaktoren und wie Betroffenen geholfen werden kann.
Straubinger Tagblatt: Wie verbreitet ist Harninkontinenz?
Dr.Gilfrich: In Deutschland leiden Millionen Frauen an einer Harninkontinenz. Die Wahrscheinlichkeit, in seinem Leben an Harninkontinenz zu erkranken, liegt mit 30 Prozent höher als bei anderen „Volkskrankheiten" wie zum Beispiel Bluthochdruck, Depressionen oder Diabetes.
Was sind die häufigsten Formen von Harninkontinenz?
Es gibt zwei Hauptformen von Harninkontinenz. Bei der Stressinkontinenz verliert der Betroffene infolge körperlicher Belastung - zum Beispiel beim Niesen oder beim Sport - kleine bis größere Mengen Harn. Dranginkontinenz geht auf eine überempfindliche Blase zurück. Bei vielen Betroffenen liegen auch Mischformen vor.
Wann muss man zum Arzt und zu welchem?
Viele Betroffene gestehen sich nicht ein, unter Harninkontinenz zu leiden. Sie trauen sich nicht, darüber zu reden und verdrängen ihr Problem. Wenn man sich unwohl fühlt, sollte man zum Arzt gehen. Das ist individuell unterschiedlich. Der eine geht wegen ein paar Tröpfchen Harnverlust zum Doktor. Der andere wartet trotz sieben nasser Vorlagen am Tag ab. Die erste Abklärung kann beim Hausarzt erfolgen. Urologe und Gynäkologe sind die zuständigen Fachärzte, die die erforderlichen weiteren Untersuchungen durchführen.
Gibt es Risikofaktoren für Harninkontinenz?
Ja, es gibt viele. Zum Beispiel Übergewicht, Geburten und chronische Bronchitis zählen dazu.
Welche Untersuchungen sind bei Harninkontinenz nötig?
Ganz wichtig ist die eingehende Befragung des Patienten. Sie gibt Einblick, welche Form der Inkontinenz vorliegt. Körperliche Untersuchung (beispielsweise ob ein Vorfall der Scheide vorliegt), Urinanalyse, Ultraschalluntersuchung und Harnstrahlmessung sind hier zu nennen. Weitere Fragen werden mit einer Messung der Druckverhältnisse der Blase, der so genannten urodynamischen Messung, geklärt, um auch die Art der geeigneten Therapie zu bestimmen.
Kann Betroffenen geholfen werden?
Ja, es kann jedem geholfen werden. Es gibt viele Therapiemöglichkeiten. Das beginnt bei der Umstellung der Lebensweise, Senkung des Gewichts, Beckenbodengymnastik und geht weiter über Medikamente bis hin zu operativen Therapien.
Haben Sie Tipps, was man vorbeugend gegen Harninkontinenz machen kann?
Es ist fraglich, ob sich Harninkontinenz vermeiden lässt. Von Vorteil ist aber sicher eine gesunde Lebensführung. Ganz wichtig sind hier sportliche Aktivitäten mit einer Stärkung des Beckenbodens.
Interview: Ursula Eisenmann Quelle: SR-Tagblatt









