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Gelbe Engel gehen auf Nummer sicher

Luftrettung Dr. Thiel
Christian Thiel, stellvertretender leitender Hubschrauberarzt von Christoph 15

Christian Thiel ist einer von deutschlandweit drei Hubschrauberärzte-Trainern

Ein Mann ist mit seinem Auto gegen einen Baum gefahren. Er ist bewusstlos, als das Rettungsteam eintrifft. „Schweres Schädelhirntrauma", vermutet der Notarzt spontan. „Der Fahrer könnte auch wegen Unterzucker bewusstlos geworden sein", sagt Christian Thiel, stellvertretender leitender Hubschrauberarzt von Christoph 15. Um in solchen Situationen menschliche Fehler zu verhindern, gibt es ein europaweit festgelegtes Training für mehr Flug- und Patientensicherheit - das sogenannte ACRM. Christian Thiel ist seit kurzem einer von deutschlandweit nur drei Ärzte-Trainern beim ADAC. 

Der Rettungshubschrauber Christoph 15 startet in der Regel mit drei Leuten: Pilot und Rettungsassistent sitzen vorne, der Notarzt hinten. Die Crew-Mitglieder wechseln. Bei aktuell 13 Notärzten hat Anästhesist Christian Thiel - wie seine Kollegen - zwei bis vier Mal pro Monat Dienst. Geflogen wird auf Sicht und zwar von 7 Uhr morgens bis Sonnenuntergang. „Im Winter kann schon um 16 Uhr Feierabend sein, im Sommer erst um 21.30 Uhr", erzählt der Notarzt. 

Auch in schwierigen Situationen - beispielsweise wenn das Wetter zur Zwischenlandung zwingt - muss die Zusammenarbeit des dreiköpfigen Teams wie am Schnürchen funktionieren. Hier setzt ACRM (Aeromedical Crew Ressource Management) an. Das Team soll bestimmte Verhaltensregeln beachten, um Fehler zu verhindern. 

Ganz konkret werden folgende Fertigkeiten geschult: Kommunikation, situative Aufmerksamkeit, Stress- und Risikomanagement, menschliche Fehler, Sicherheitskultur, Führungsverhalten und Teamarbeit. „75 Prozent der gemachten Fehler sind vermeidbar, da sie auf den Faktor Mensch zurückzuführen sind", betont Thiel. 

Ein banales Beispiel: Am Unfallort soll eine Narkose eingeleitet werden. „Spritze bitte 160 Milligramm Propofol", sagt der Notarzt zum Rettungsassistenten. Früher führte der Rettungsassistent die Anweisung einfach aus. Heute dagegen wiederholt er die Aussage und bestätigt die Ausführung extra: Hörfehler werden so ausgeschaltet. 

Darauf muss man erstmal kommen: Der Fahrer, der gegen einen Baum gefahren ist und bewusstlos im Auto liegt, könnte auch nur Unterzucker und kein Schädelhirntrauma haben. Mit einer Spritze Glukose wäre er wieder auf dem Damm. Thiel: „Zucker muss automatisch bestimmt werden." Das Training erweitert den Tunnelblick und lässt einen an das Unwahrscheinliche denken. 

Im Trainerteam sind die drei Berufe der Luftrettung vertreten. Für Piloten und Rettungsassistenten ist das ACRM-Training seit einigen Jahren verpflichtend, für Notärzte dagegen freiwillig. Christian Thiel wünscht sich daher, möglichst viele Luftrettungs-Ärzte für den dreitägigen Kurs zu begeistern. Die Teilnehmer profitieren laut Thiel auch für ihre Arbeit im Klinikum. „Die Inhalte lassen sich eins zu eins sowohl in den Rettungsdienst als auch ins klinische Notfallmanagement übertragen." 

ACRM hat seine Wurzeln in der Luftfahrt. In den 1970er-Jahren entdeckte man, dass 75 Prozent der Flugunfälle durch menschliche Fehler verursacht worden waren. CRM war geboren. 2000 rückte die Medizin in den Blickpunkt; vier von fünf Schäden bei Patienten waren auf menschliche Fehler zurückzuführen. ACRM weitete die Flugsicherheit auf die medizinische Versorgung aus und schloss die Patientensicherheit mit ein. 

Einem Zwischenfall geht immer eine Fehlerkette voraus. „Es gibt keinen Fehler, den einer alleine begeht", sagt Thiel und macht auf ein Umdenken aufmerksam. Statt den Schuldigen zu suchen, soll das System verbessert werden. Der Mensch wird nun als Sicherheitsressource gesehen, der maßgeblich zum erfolgreichen Notfallmanagement beiträgt. Thiel weiß aus Erfahrung: „Gute Entscheidungen von Menschen können in Notsituationen oft Leben retten."-urs-

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