Gelbe Damen bewegen Himmel und Erde für Patienten und im Notfall auch einen 30-Tonnen-Lastwagen
„Nichts ist unmöglich“ – der Werbeslogan eines Automobilherstellers könnte auch Leitspruch der Gelben Damen am Klinikum St. Elisabeth sein. „Wir haben in den vergangenen Monaten die ausgefallensten Dienste verrichtet“, erzählt Leiterin Brigitte Messerschmitt. Egal ob Wechselwäsche in XXL organisieren, Kinder betreuen, den Gepäcktransport nach Hause in den Schwarzwald regeln oder sogar einen 30-Tonnen-Lastwagen versetzen – die Gelben Damen bewegen Himmel und Erde für die Patienten.
Brigitte Messerschmitt erinnert sich an einen besonders ungewöhnlichen Fall. Ein Lastwagenfahrer aus Dessau in Sachsen-Anhalt musste wegen einer akuten Lungenentzündung seinen Brummi in Straßkirchen Hals über Kopf verlassen. Mit dem Sanka kam er in die Notaufnahme nach Straubing - ohne Geld, ohne Handy und ohne Reisetasche.
Ein Fall für die Gelben Damen. Die leitende Schwester der Station informierte Brigitte Messerschmitt. Nach einem Gespräch mit dem Patienten sowie Übergabe der Lkw-Schlüssel fuhren Brigitte Messerschmitt und ihr Mann Harro nach Straßkirchen. „Der nagelneue Lastwagen stand unversperrt am Bahnhof, die Fenster waren offen.“ Die Wertgegenstände waren alle da. Trotz eines schweren Wolkenbruches hatte es nicht in den Laster geregnet.
Diese Aktion, als Harro Messerschmitt Geld, Handy und Reisetasche aus dem Laster holte, wurde argwöhnisch von zwei Männern beobachtet. „Einer begann zu telefonieren und ich dachte, der ruft jetzt garantiert die Polizei an, weil er uns für Diebe hält.“ Brigitte Messerschmitt erklärte den Männern die Situation und erhielt prompt den gewichtigsten Auftrag ihrer 26-jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit als Gelbe Dame: „Der Laster gehört versetzt.“ Gewohnt, auch Unmögliches sofort zu erledigen, rief Brigitte Messerschmitt bei der Polizei an und erfuhr: Gelbe Damen dürfen die Versetzung eines 30-Tonnen-Lasters zwar anstoßen, aber nicht ausführen. Letztendlich schickte die Firma des Lastwagenfahrers Hilfe. Brigitte Messerschmitt: „Der Lastwagenfahrer bedankte sich bei mir 100 Mal.“
In den zwei vergangenen Jahren holten die Gelben Damen auffallend oft für alleinstehende Patienten persönliche Sachen aus deren Wohnungen. „Leute, die gar niemanden haben, werden immer mehr.“ Aktuell kümmert sich jeden Wochentag eine der 13 Gelben Damen als „rettender Engel“ um Patienten auf allen Stationen im Klinikum. Ihr Erkennungsmerkmal ist eine Chipkarte mit Bild, die sie als Gelbe Dame ausweisen. Jede Dame erledigt ehrenamtlich auch kleine Aufträge wie Botengänge. Im Vordergrund des Krankenhausbesuchsdienstes steht aber immer das Gespräch. Ihr Lohn ist Dankbarkeit. Brigitte Messerschmitts Motivation für das soziale Engagement: „Wenn ich mal in Not bin, freut es mich auch, wenn mir jemand hilft.“









