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Einführung von Dr. Carsten Scholz als Chefarzt der Frauenklinik im Klinikum St. Elisabeth Straubing

Einführung Chefarzt Dr. Scholz Klinikum Straubing
(v.l.): Klinikum-Geschäftsführer Dr. C. Scheu, Bürgermeister H. Lohmeier, Dr. C. Scholz, PD Dr. M. Ruisinger und Pater Provinzial Emerich Steigerwald

Neue therapeutische Möglichkeiten ausbauen

Dr. Carsten Scholz als Chefarzt der Frauenklinik ins Amt eingeführt Fachgebiet gynäkologische Onkologie - Zeitreise in die Historie der Frauenheilkunde

In keiner anderen medizinischen Disziplin liegen Freud und Leid so nah beieinander wie in der Frauenheilkunde: Die Freude über eine glückliche Geburt und das Leid einer schweren Erkrankung. Genau das macht für Dr. Carsten Scholz den Reiz seiner Tätigkeit aus. Am Mittwochabend wurde der 46-Jährige im Rittersaal des Herzogschlosses als Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum St. Elisabeth ins Amt eingeführt. In seinem Vortrag gab er Einlick in Hoffnung weckende therapeutische Möglichkeiten in seinem Spezialgebiet, der gynäkologischen Onkologie. Kontrastprogramm dazu war die Zeitreise in die Historie der Frauenheilkunde von Dr. Marion Ruisinger vom Deutschen Medizinhistorischen Museum Ingolstadt.

Als Vertreter des Trägers, der Barmherzigen Brüder, hieß Pater Provinzial Emerich Steigerwald den neuen Chefarzt, der seit 1. November amtiert, willkommen. Mit ihm verbinde man die Erwartung, dass neueste therapeutische Möglichkeiten Einzug halten, aufbauend auf der verdienstvollen Tätigkeit der Vorgänger. Der Provinzial rückte die Bedeutung ganzheitlicher Behandlung in den Blick, die sich „nicht nur in medizinisch-technische Antworten flüchten" dürfe, sondern auch nicht ausgesprochene Nöte der Patientinnen, die spirituelle Dimension des Lebens, wahrnehmen solle.

Als herausragend qualifiziert würdigte den neuen Chefarzt Bürgermeister Hans Lohmeier und versicherte ihm, Straubing sei ein Pflaster, auf dem es sich gut leben lasse. Gleichzeitig lobte er die hohe Investitionsbereitschaft des Klinikum-Trägers. Zwar sei Dr. Scholz kein Bayer, aber immerhin von Freistaat (Sachsen) zu Freistaat (Bayern) gewechselt, schmunzelte er und wünschte dem Gynäkologen trotz seines Spezialgebiets Onkologie „doch mehr freudige Ereignisse, sprich Geburten".

Aufwändiges Auswahlverfahren

Zwei Jahre habe das Klinikum nach einem Nachfolger für die Leitung der Frauenklinik gesucht, im aufwändigen Auswahlverfahren sogar auf einen Headhunter gesetzt, rekapitulierte Klinikum-Geschäftsführer Dr. Christoph Scheu. Die Erwartungen seien hoch: geburtshilfliche Erfahrung, operative Kompetenz und Erfahrung sowie patientinnenzentrierte Arbeitsweise für eine ganzheitliche Behandlung. Der neue Chefarzt, gebürtiger Meißener, zuletzt leitender Oberarzt in der Frauenklinik Neumarkt/Oberpfalz, bringe das alles mit. Sein früherer Chef Prof. Dr. Herwig Egger, der bundesweit als Koryphäe der gynäkologischen Onkologie gilt, war unter den Gästen im Rittersaal.

Dr. Carsten Scholz merkte an, dass sich unter seinen Vorfahren sogar ein Bayer finde, nämlich sein Landshuter Urgroßvater mit dem urbayerischen Namen Wimmer. Scholz vermittelte dem Publikum eine Vorstellung aktueller therapeutischer Entwicklungen in der gynäkologischen Onkologie. Er konzentrierte sich auf den Brustkrebs, an dem in der westlichen Welt zehn Prozent der Frauen betroffen seien, sowie Gebärmutterhalskrebs mit 7000 Neuerkrankungen pro Jahr.

Brusterhaltend operieren

Brusterhaltend zu operieren sei heute Standard. Als wirkliche Errungenschaften sieht Scholz die Möglichkeit des Wiederaufbaus der entfernten Brust durch körpereigenes Muskelgewebe sowie den Wächterlymphknoten zur Beurteilung, ob Krebszellen gestreut haben. Auch im Bereich systemischer Therapien (Chemotherapie, Antihormonelle Therapie und Target-Therapie) und minimalinvasiver Operationstechniken gehe es enorm voran. Selbst bei fortgeschrittenem Krebs könne man dank rekonstruierender OP-Techniken im Bereich von Blase und Darm die Lebensqualität verbessern. In der Vorfallchirurgie sei die anatomisch exakte Rekonstruktion zerstörter Aufhängestrukturen im weiblichen Becken möglich.

Jede Frau, wahrscheinlich auch jeder Arzt im Rittersaal war insgesheim froh, heute zu leben und nicht im 16./17. Jahrhundert mit teils brachialen Behandlungs- und Geburtsmethoden und vor allem mangelnder Narkose. Festrednerin Privatdozentin Dr. Marion Ruisinger vom Deutschen Medizinhistorischen Museum Ingolstadt blickte in ihrem Festvortrag in die Vergangenheit der Frauenheilkunde. Gleichzeitig schlug sie den Bogen ins Heute: Für Frauen in der Dritten Welt sei das, was wir als Medizingeschichte betrachten, leider heute noch Gegenwart. Der heutzutage vielzitierten Forderung nach dem mündigen Patienten scheint dagegen in verblüffender Weise der von ihr zitierte in Straubing geschriebene Brief der Gräfin von Closen aus dem Jahr 1758 zu entsprechen. Die junge Witwe argumentierte mit Fachliteratur und entwarf eigene Therapiekonzepte, um mit den medizinischen Koryphäen ihrer Zeit - dem chirurgischen Lehrbuchautor Lorenz Heister und sogar dem Leibarzt von Kaiserin Maria Theresia - wegen eines Tumors in der Brust auf Augenhöhe zu korres-pondieren.

Marion Ruisinger gab auch Einblick in die Zeit, als Geburtshilfe noch ausschließlich Hebammensache war und Männer, sprich Bader oder Chirurgen, nur bei schweren Geburten zugezogen wurden. Diese wetteiferten im Laufe der Jahrhunderte um Erfindungen wie die mehrfach optimierte Geburtszange, an deren Stelle später Saugglocke und Kaiserschnitt traten.

Der Blick zurück und nach vorn bot bei angenehmer Hintergrundmusik von Thomas Anleitner und Co. sowie Häppchen vom Buffet für die Gäste Gesprächsstoff genug.

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